„Als Kapitän auf der AIDAsol bin ich auch Psychologe, Manager, Ingenieur, Kaufmann, Meteorologe und Umweltschützer“

Kapitän Sven Gärtner © AIDA Cruises

Kapitän Sven Gärtner © AIDA Cruises

Der Kapitän ist der Chef an Bord, das ist auf einem Kreuzfahrtschiff nicht anders als auf einem Schiff der Handelsmarine oder auf einem Forschungsschiff. Aber auf einem Kreuzfahrtschiff warten auf den Kapitän zahlreiche Aufgaben, die über die seemännische Tätigkeit hinausgehen. Wie ein moderner Kapitän zugleich charismatischer Entertainer und verantwortungsvoller Schiffsführer sein kann, erzählt Kapitän Sven Gärtner, Kapitän auf der AIDAsol, im Gespräch mit shiptrips.  

Hier ist die AIDAsol aktuell

Kapitän Gärtner, wie lange fahren Sie schon zur See und seit wann sind Sie Kapitän bei AIDA?

Ich bin seit mittlerweile 28 Jahren auf den Weltmeeren unterwegs, davon 22 Jahre in der Kreuzfahrt tätig und seit 12 Jahren Kreuzfahrtkapitän. Seit 2009 bin ich Kapitän bei AIDA Cruises.

Wie kamen Sie zur Seefahrt und welche Ausbildung haben Sie?

Ich bin in Nordenham an der Weser aufgewachsen. Dort war ich schon als kleiner Junge aktives Mitglied im Segelclub. Bereits damals wusste ich, dass ich zur See fahren will. Meine Eltern waren von dieser Idee allerdings zunächst nicht sehr begeistert. Sie boten mir im Alter von zwölf Jahren die Möglichkeit, mit einem Küstenmotorschiff von Bekannten mitzufahren, in der heimlichen Hoffnung, dass ich mich langweilen würde und mir den Gedanken von der Seefahrt wieder aus dem Kopf schlage. Das hat allerdings nicht wirklich geklappt (lacht). Um mir den Traum von der Seefahrt zu erfüllen, machte ich zunächst eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker und anschließend mein Fachabitur / Technik. Damit schrieb ich mich dann an der Fachhochschule für Seefahrt in Elsfleth ein. Eines der sechs Semester verbrachte ich als Austauschstudent an der Polytechnic South West University of Plymouth/England. Um mir mein Studium zu finanzieren, habe ich parallel in den Semesterferien als Matrose auf der MS Europa gearbeitet. Nach meinem Studium war ich dann zunächst auf dem deutschen Forschungsschiff „Polarstern“ unterwegs und lernte dort die Eisnavigation. Danach war ich erst als Offizier und ab dem Jahr 2000 als Kapitän mit Expeditions-Kreuzfahrtschiffen unterwegs. In dieser Zeit fuhr ich in die entlegensten Gebiete der Welt, unter anderem in die Antarktis und die Arktis. Während eines Aufenthaltes an Land übernahm ich später dann zunächst die Bauaufsicht für eine 85 Meter lange Privatjacht, die in Emden vom Stapel lief, und anschließend für ein Fünf-Sterne-Expeditions-Kreuzfahrtschiff einer australischen Reederei. Für dieses Schiff übernahm ich danach weitere fünf Jahre als Kapitän das Kommando an Bord. In der Wintersaison bereiste ich unter anderem Papua-Neuguinea und die Kimberlys, und im Sommer die Antarktis und die Ross Sea.

Was gehört zu Ihren Aufgaben? Und wo ist die Grenze, an der die Routine endet und die Herausforderung beginnt?

In erster Linie bin ich natürlich Kapitän. So, wie die meisten sich das auch vorstellen, bin ich für Nautik und Navigation zuständig. Aber als Kapitän bin ich längst nicht mehr nur der Schiffsführer, sondern auch Psychologe, Manager, Ingenieur, Kaufmann, Meteorologe und Umweltschützer in einem. Schließlich trage ich die Verantwortung für Gäste, Crew und Schiff. Und nicht zuletzt ist man in meinem Beruf auch ein wenig als Entertainer gefragt. Die Gäste möchten mit uns eine schöne Urlaubszeit verbringen. Als Kapitän stimme ich sie gleich zu Beginn der Reise mit einem herzlichen Willkommensgruß ein. Aber ich muss zugeben, ganz am Anfang war es schon eine Herausforderung, vor so vielen erwartungsfrohen Gästen frei und locker zu sprechen. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. (schmunzeln)

AIDAsol © AIDA Cruises

AIDAsol © AIDA Cruises

Sie sind viel unterwegs, haben Sie genug Zeit für Ihr Privatleben?

Als Kapitän arbeite ich in der Regel in einen festen Rhythmus, drei Monate an Bord und zwei Monate zu Hause an Land. Das muss man wissen, wenn man sich für die Seefahrt entscheidet. Natürlich ist man oft lange Zeit von der Familie getrennt, aber glücklicherweise kennt meine Lebensgefährtin das Leben an Bord aus eigener Erfahrung und hat sehr viel Verständnis. Wir haben uns sogar an Bord von AIDA kennengelernt. Sie war damals als First Purser tätig und hat sich um die Anmeldung und Einklarierung des Schiffes sowie die Zollabläufe gekümmert. Eine Zeitlang haben wir sogar gemeinsam auf einem Schiff unserer Flotte gearbeitet. Mittlerweile hält sie jedoch zu Hause in Nordenham die Stellung und wenn ich von meiner Fahrt wieder zurück bin, nutzen wir die gemeinsame Zeit miteinander.

Wie verbringen Sie Ihren Urlaub? An Land oder auf dem Wasser?

Ich fahre zwar leidenschaftlich gerne zur See, aber im Urlaub brauche ich dann doch mal einen Tapetenwechsel. Da erhole ich mich am liebsten bei und mit meinen Lieben zu Hause.

Wie würden Sie den Charakter Ihres Schiffes beschreiben?

Die Seele eines Schiffes ist seine Crew. Wir alle bei AIDA erfüllen unsere Gastgeberrolle gerne und mit Leidenschaft und ich glaube, genau diese Einstellung ist der Grund dafür, dass uns so viele Gäste seit vielen Jahren die Treue halten und auch immer wieder neue Urlauber vom „AIDA Feeling“ gepackt werden.

Was die Schiffe an und für sich betrifft, so lässt sich für alle AIDA Schiffe zunächst einmal sagen, dass sie sehr modern und komfortabel ausgestattet sind. Das Design ist jung und frisch. Wir wollen unseren Gästen das Gefühl geben, an Bord zu Hause zu sein, und das spiegelt sich in vielen kleinen Details wider, sei es bei der Einrichtung oder im Kontakt mit der Crew. Bei uns an Bord finden die Gäste alles, was zu einer guten Kreuzfahrt dazu gehört: schöne Kabinen, gutes Essen, viele Sport- und Wellnessangebote, ein breites Entertainmentangebot und, nicht zu vergessen, unseren Kids Club. Diese Vielfalt bietet genügend Auswahl für individuelle Urlaubserlebnisse. Das Leben bei uns an Bord würde ich als Lifestyle orientiert und leger bezeichnen. Alle Generationen fühlen sich an Bord wohl.

AIDAsol Ihr Zuhause auf dem Meer.

Im Moment fahre ich auf AIDAsol, die einen ziemlich mediterranen Charakter hat. Die Räume sind hell und lichtdurchlässig und die kräftigen, sonnigen Farben machen richtig gute Laune. Was unseren Gästen immer besonders gefällt, ist die Wellness Oase. Die Architektur und die Einrichtung vermitteln dem Besucher das Gefühl, auf einer griechischen Insel zu sein. Es gibt sogar einen sechs Meter hohen Olivenbaum, unter dem kann man wunderbar die Seele baumeln lassen. Bei schönem Wetter lässt sich sogar das Glasdach der Wellness Oase öffnen und wer mag, kann sich windgeschützt von der Sonne bräunen lassen.

Als Kapitän bestimmen Sie den Kurs, sind Sie auch an der Ausarbeitung der Routen beteiligt?

Wir steuern mit unseren Schiffen auf den verschiedensten Routen weltweit mehr als 180 verschiedene Häfen an. An der Ausarbeitung der Routen für die einzelnen Kreuzfahrten sind die Kapitäne nicht beteiligt. Dafür ist eine eigene Abteilung bei AIDA zuständig. Aber zu dem ein oder anderen Punkt werden wir manchmal schon um eine Einschätzung gebeten, oder nach unseren Erfahrungen gefragt.

© AIDA Cruises

© AIDA Cruises

Was war Ihre persönlich schönste Route bis jetzt?

Das war eine Tour zu den so genannten „Lost Islands Of The Atlantic“. Von den Kanaren aus ging es in südlicher Richtung zu den Kapverdischen Inseln, nach Ascension, St. Helena, Tristan da Cunha, nach Südgeorgien, den Falklandinseln und Kap Horn. Diese Route gehört nicht gerade zu den typischen Kreuzfahrtrevieren. Insofern haben diesen Törn bislang noch nicht viele Menschen gemacht und deshalb war er auch für mich etwas ganz Besonderes.

Welche Route fahren Sie in den kommenden Monaten?

In den kommenden Monaten bin ich mit AIDAsol rund um die Kanaren unterwegs. Zu den angesteuerten Inseln gehören beispielsweise Teneriffa, Gran Canaria oder auch die Blumeninsel Madeira. Das ist ein super Winterrevier. Nicht zu warm, nicht zu kalt, die meisten Gäste empfinden das Winterklima auf den Kanaren als sehr angenehm. Dort können sie dem oft grauen und kalten Winter in Deutschland entfliehen und ein wenig Sonne tanken.

Kapitän Gärtner mit Hochzeitspaar © AIDA Cruises

Kapitän Gärtner mit Hochzeitspaar © AIDA Cruises

Es ist eine Legende, die sich hartnäckig hält: Der Kapitän übernimmt auf hoher See auch die Aufgaben eines Standesbeamten. In der Realität ginge das nur, wenn ein Kapitän eine Zusatzbefähigung als Standesbeamter hätte. Also keine Hochzeitsromantik auf See?

Es stimmt, dass ein Kapitän eine Zusatzbefähigung als Standesbeamter benötigt, um eine rechtskräftige Eheschließung an Bord durchzuführen. Auch wenn ich persönlich keine Trauungen an Bord durchführe, bringen wir bei AIDA Cruises Hochzeitspaare gerne in den Hafen der Ehe und arrangieren alles rund um den schönsten Tag im Leben. Dafür gibt es bei uns sogar eine eigene Hochzeitshotline. Unsere Kollegen organisieren mit Unterstützung einer örtlichen Hochzeitsagentur nicht nur die Trauung selbst, sondern auch die umfangreichen Vorbereitungen inklusive der Formulare sowie wunderschöner Rahmenprogramme während ihrer AIDA Reise. Die meisten unserer Brautpaare heiraten während ihrer Reise an Land, zum Beispiel an einem wunderschönen Strand in der Karibik oder auf einer griechischen Insel. Auf Wunsch ist bei ausgewählten Reisezielen auch eine Trauung an Bord unserer Schiffe möglich. Dann kommt ein Standesbeamter aufs Schiff. Selbstverständlich ist es für meine Kollegen und mich eine große Ehre, unsere jungvermählten Paare persönlich im Hafen der Ehe zu begrüßen.

© AIDA Cruises

© AIDA Cruises

Wie verbringen Sie Ihre freie Zeit an Bord am liebsten?

Während der Einsätze an Bord ist man auch in der dienstfreien Zeit in Bereitschaft. In meiner Freizeit gehe ich aber gerne ins Fitness Studio, um mich körperlich mal wieder richtig auszupowern.

Haben Sie einen Lieblingsplatz an Bord?

Auch wenn es wie ein Klischee klingt, der Lieblingsplatz eines Kapitäns an Bord eines Schiffes ist „seine Brücke“.

Christian Richard Gülde

Magister der Philosophie, Sprachwissenschaft und Literatur. Berufserfahrung als wissenschaftlicher Autor, Redakteur und Kommunikationsberater. Erfolgreich tätig für IT- und Handels-Unternehmen, NPOs, Buchverlage, Magazine, Tageszeitungen und Online-Medien. Seit fast 20 Jahren dem Rätsel Kommunikation auf der Spur. Weitere Schwerpunkte: Maritime Wirtschaft, Health, Wirtschaft & IT.