Mit 250 km/h an die Wand – im Gespräch mit Golf Pro Marco Hoppe

Golflehrer Marco Hoppe  © HLKF

Golflehrer Marco Hoppe
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Marco Hoppe zeigt als Golf Pro Anfängern und Könnern auf der MS Europa 2, wie der perfekte Schwung gelingt. Ein Simulator und ein Videoanalyseprogramm stehen ihm dabei zur Seite. shiptrips hat den „Fully qualified PGA-Golfprofessionell“ an Bord besucht. Im Interview erzählt der 23-Jährige, warum der grüne Sport einen so hohen Spaßfaktor hat und weshalb ein Kreuzfahrtschiff gute Bedingungen bietet, um am Handicap zu feilen.

Marco, eine provozierende Frage vorweg. Ist Golf ein richtiger Sport?

Das provoziert mich überhaupt nicht. Ich höre diese Frage nicht zum ersten Mal. Aber ich versichere jedem: Wer hier bei mir eine Stunde Golfunterricht nimmt, der kommt richtig ins Schwitzen. Eine besondere Herausforderung beim Golf ist die Konzentration und die perfekte Koordination der Bewegungsabläufe. Das kann sehr anstrengend sein – der Kalorienverbrauch ist höher als bei vielen anderen Sportarten.

Wie wird man Golf Pro auf einem Kreuzfahrtschiff?

Golf Pro ist ein richtiger Lehrberuf, die Ausbildung dauert vier Jahre. Zur Ausbildung aufgenommen werden nur Golfspieler, die bereits ein Handicap ab 6,4 haben, ich hatte 0. Als PGA-Golfprofessionell kann ich überall unterrichten. Im April 2013 bin ich auf die Europa gekommen, im August 2013 dann auf die Europa 2 gewechselt.

© HLKF

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Die Golfspieler nutzen auf dem Schiff einen Simulator. Wie funktioniert der?

Auf der Europa 2 haben wir zwei Simulatorbereiche, jeweils mit einem Stück Kunstrasen für den Abschlag. Dort positioniert sich der Golfspieler und schlägt den Ball an die Wand. Eine Videosimulation zeigt den Flug. Darüber hinaus wird der Schlag genau ausgewertet: Geschwindigkeit, Länge, Abflugwinkel, Fluglinie, alles wird angezeigt. Mein letzter Schlag, wie man an der Anzeige sieht, hatte eine Fluglänge von 242 Metern, der Ball erreichte eine Geschwindigkeit von 250 km/h – ganz gut also.

Was schafft ein Anfänger?

Wer sich normal geschickt anstellt, der schlägt vielleicht 40 bis 60 Meter weit und schafft eine Geschwindigkeit von 70 bis 100 km/h, aber das ist natürlich individuell sehr unterschiedlich.

© J.Lemcke

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Haben Sie weitere Hilfsmittel?

Ja, wir arbeiten mit Videoanalyse. Während die Simulatoren typischerweise vor allem auf einem Schiff zu finden sind, wird die Videoanalyse nahezu überall eingesetzt. Wir zeichnen die Bewegungsabläufe per Video auf und schauen dann zusammen mit dem Golfspieler, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Auf diesem Video von mir sehen Sie zum Beispiel, dass die Haltung meines Handgelenks nicht optimal war. Viele Golfspieler sehen erst im Film, wo ihre Problemstellen liegen.

Wer kann alles Golf spielen, wie alt sind die Gäste, die zu Ihnen hier auf der Europa 2 kommen?

Golf ist ein Sport für fast jeden und jedes Alter, das ist das Schöne. Mein jüngster Golfspieler hier auf der Europa 2 war gerade fünf Jahre alt, er hat natürlich einen Kinderschläger bekommen. Normalerweise fangen Kinder mit sechs oder sieben Jahren an. Der älteste Gast war übrigens über 90.

Auf der Europa 2 werden Golf & Cruise-Reisen angeboten. Was verbirgt sich dahinter?

Auf diesen Reisen fährt noch ein zweiter Golf Professional mit. Die Gäste, die das Golfpaket auf den ausgewiesenen Reisen buchen, spielen nicht nur im Simulator, sondern gehen an Land, begleitet vom Golf Pro, auf die schönsten Golfplätze vor Ort. Um die Buchung der Spielzeiten und die Organisation der Transfers müssen sich die Gäste nicht kümmern – sie können sich ganz auf das Spiel konzentrieren.  Beliebte Routen für die Golf & Cruise-Reisen sind die Golfstaaten, das Mittelmeer, aber auch Asien.

 

Jutta Lemcke

Liebt ihre Heimatstadt Hannover - ist aber genauso gerne rund um den Globus auf Reisen. Ob die sieben Weltmeere, asiatische Mega-Metropolen oder die endlosen Wüsten Afrikas - die Journalistin und Buchautorin fühlt sich ganz zuhause, wenn sie in der Ferne unterwegs ist.