Kicker, Koteletts, Kreuzfahrten – im Gespräch mit Reiner Calmund

Ich bin am Teller um Welten besser als am Herd

— Reiner Calmund

Reiner Calmund, der ehemalige Fußball-Manager des Bundesligisten Bayer Leverkusen 04

Reiner Calmund, der ehemalige Fußball-Manager des Bundesligisten Bayer Leverkusen 04, ist immer mal wieder an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Als Redner und Lektor, als geschätzter Gast und Gesprächspartner, als Gourmetexperte und Hobbykoch.

Reiner Calmund ist ein großer Genießer – er liebt guten Fußball und exzellente Küche, schätzt humorvolle Anekdoten und hat seine Schwäche für Kreuzfahrtschiffe entdeckt. Um all diese Vorlieben unter einen Hut zu bringen, geht der ehemalige Fußball-Manager des Bundesligisten Bayer Leverkusen 04 immer mal wieder an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Als Redner und Lektor, als geschätzter Gast und Gesprächspartner, als Gourmetexperte und Hobbykoch. Auf der MS Europa steht Reiner Calmund, Jahrgang 1948, seinem Freund und Sterne-Koch Dieter Müller am Herd zur Seite. So ganz nebenher unterhält er die Gäste mit kleinen Geschichten aus seinem Buch „Fußballbekloppt“. Im Interview mit Redakteurin Anja Freyer erzählt „Calli“ von stürmischen Atlantiküberquerungen und warum er das Achterdeck so mag.

Sie sind so viele Tage im Jahr unterwegs – ist eine Schiffsreise da noch etwas Besonderes?

Mein Berufswunsch als kleiner Knirps hieß Schiffskoch. Reisen und essen – ich wollte zwei meiner Leidenschaften schon als Kind miteinander verbinden. Tatsächlich ist für mich jede Reise etwas Besonderes, ich entdecke immer und überall etwas Neues. Das gilt für Schiffsreisen umso mehr, weil sie mich ja an viele wunderschöne Orte bringen.

© S. Pick

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Was mögen Sie an einer Kreuzfahrt?

Ich find’s gemütlich. Es gibt keine Staus, keine Wartezeiten, keine ausgefallenen Flüge. Man kann aufs Meer blicken und die gesunde frische Luft einatmen, was mich enorm beruhigt. Je nach Laune kann ich mich zurückziehen oder ins Getümmel stürzen.

Was reizt Sie daran, auf einem Kreuzfahrtschiff – wie auf der MS Europa mit Sterne-Koch Dieter Müller – bei einem Show-Cooking aufzutreten?

Vor drei Jahren habe ich mit meiner Frau Sylvia eine Benefiz-Kreuzfahrt der Superlative auf der MS Europa genießen dürfen. Damals haben wir uns geschworen: Das war nicht unsere letzte Fahrt auf diesem schwimmenden Luxus-Hotel. Das wir jetzt ausgerechnet mit unserem guten Freund Dieter Müller die iberische Halbinsel umrunden und die traumhaften Stationen Bilbao, Lissabon und Barcelona anfahren, ist Genuss pur. Sowohl für Reiseliebhaber als auch für Gourmets. Ganz ehrlich: Mich reizt weniger das Cooking als mehr das Eating. Spaß beiseite: Kinder und Jugendliche lassen sich im Urlaub animieren, warum nicht auch wir alten Säcke? Das macht Spaß, unabhängig von der Location. Auf einem Schiff ist es an einem Seetag eine tolle Abwechslung.

Sie sind Hobbykoch und schätzen gute Küche, können Sie die Restaurants an Bord genießen?

Zunächst muss ich feststellen: Ich bin am Teller um Welten besser als am Herd. Und was die Jungs und Mädchen auf den Schiffen, auf denen ich war, gezaubert haben, das war meistens allererste Sahne. Ob das auf der Mein Schiff das „Surf and Turf“  bzw. „Gosch“ oder auf der MS Europa Dieter Müllers Restaurant ist – ich fühle mich jedes Mal wie Gott in Frankreich!

Wie gestalten Sie Ihre Lesung an Bord? Haben die Zuhörer spezielle Themenwünsche?

Bei mir geht’s um das Essen oder um Fußball. Meine zwei Bücher – „Fußballbekloppt“ und „Eine Kalorie kommt selten allein“ – decken zufälligerweise genau diese beiden Themen ab. Die klassische steife Lesung gibt’s bei mir nicht. Da wird viel gequatscht, ein bisschen Standup-Comedy ist auch dabei und zum Abschluss können die Zuhörer ihre Fragen stellen. Und die können ruhig unbequem sein, die müssen nicht in Geschenkpapier  verpackt werden, ich mag’s kritisch und knackig.  Ich bin da ganz locker. Mir macht es Spaß, mit den Leuten zu reden.

Auf welches Thema werden Sie mittlerweile mehr angesprochen – Fußball oder Kochen?

Ganz klar Fußball! Das ist meine Welt. Ich bin Kolumnist für zwei Tageszeitungen, ich analysiere Spiele bei TV-Sendern, helfe bei TV-Formaten, die mit Fußball zu tun haben.  Der Unterschied zu früher: Ich habe nicht mehr diesen Druck, diese Angst, das nächste Spiel zu verlieren. Ich freue mich heute auf der Tribüne oder vor dem Fernseher, wenn Bayer Leverkusen, Jogi Löw mit der Nationalmannschaft und unsere  Klubs im internationalen Wettbewerb gewinnen. Aber es versaut mir nicht mehr wie früher eine ganze Woche, wenn die Jungs mal verlieren. Natürlich gibt es auch ein großes positives Feedback zu den Kocharena Sendungen.

© S. Pick

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Wie unterscheidet sich eine Lesung auf dem Meer von einem Vortrag an Land?

Auf der Queen Mary  hat’s mal mörderisch gewackelt, da hat dem Atlantik mein Buch wohl nicht gefallen. Und plötzlich saß ich auf dem Sessel, ohne mich gesetzt zu haben. Der entscheidende Unterschied ist sicher, dass die Leute an Land bewusst zu dieser Lesung kommen. Die kaufen sich eine Karte und wissen dann schon Wochen im Voraus, dass sie den dicken Calli besuchen. Auf dem Schiff ist es ein eher zufälliges Publikum. Die sind zum Teil komplett überrascht davon, dass ich auch auf dem Kahn bin und denken, sie würden mich verwechseln. Wobei jeder schnell weiß, dass ich kein Double habe. Diese Leute spontan und gut zu unterhalten, das macht riesig viel Spaß. Umgekehrt sind die Gäste auf dem Schiff immer sehr begeisterungsfähig. Ein volles Theater und viel Beifall sind dann für mich ein gutes Dankeschön.

Wie muss man sich Ihr Bordleben vorstellen – haben Sie die Gelegenheit ein bisschen Privatsphäre zu genießen und zu entspannen?

Na klar, es gab keine Sekunde an Bord eines Schiffes, auf dem ich nicht ich selbst sein konnte. Da gibt’s keine Probleme.

Haben Sie einen Lieblingsplatz an Bord?

Die X-Lounge, die ja auf der Mein Schiff 3 eine offene Veranda haben wird, ist ein toller Rückzugsort. Auf der MS Europa sitze ich gerne im offenen Teil des „Lido“, egal ob bei einem ausgiebigen Frühstück oder bei einem leckeren Snack. Ich bin ein „Achterdeck“-Freund und liebe dort die Abende unter dem Sternenhimmel mit Cocktail und guten Freunden.

© S. Pick

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Welche Destination, die Sie mit einem Kreuzfahrtschiff bereist haben, hat Sie bislang am meisten beeindruckt?

Da muss ich wohl Norwegen mit seinen Fjorden  nennen, dieses einzigartig schöne und interessante Land: Bergen, Geirangerfjord, Flam, Lofoten, Spitzbergen, das Nordkap – diese Tour im Sommer mit der ewigen Sonne, vorbei an blau schimmernden Eisbergen – das zeigt einem die einzigartige Schönheit der Welt. Begeistert hat mich auch die Atlantiküberfahrt von New York nach Hamburg auf der gigantischen Queen Mary.

Gibt es ein Land, das Sie gerne noch einmal sehen möchten?

Eins? Wie viel Platz haben Sie hier?

 

Anja Freyer

Redakteurin, Stipendium und Studium an der University of Indianapolis/USA. Berufserfahrung als Journalistin und Redakteurin für deutsche und amerikanische Tageszeitungen, Kulturredakteurin der Neuen Presse Hannover, freiberuflich für Medienagenturen in der Wirtschaft und im Tourismus unterwegs.