Korrespondenz mit dem Meeresgott

„Heute las ich eine Erzählung von Kafka, die ich noch nicht kannte. Sie trägt Deinen Namen, Poseidon.“ So beginnt eine der vielen kurzen Korrespondenzen an den Meeresgott, die Cees Nooteboom im September 2012 bei Suhrkamp unter dem Titel Briefe an Poseidon veröffentlichte. „Ein erschöpfter Gott unter Wasser, so sieht Kafka dich.“ Nooteboom sieht Poseidon anders. Der Meeresgott ist für Nooteboom der Adressat seiner Gedanken. Und weil er vom Träger des Dreizacks keine Antwort erwartet, formuliert er seine Gedanken, ohne für sie zu werben.
Wann passiert so etwas heute noch?! Wir kommunizieren, um uns verständlich zu machen – auch wer Tagebuch schreibt, will in aller Regel sich selbst verstehen. Wer aber wie Nooteboom an Poseidon schreibt, lässt seine Worte in ein Reich eintauchen, das unter der Oberfläche verborgen ist. Niemand kann sagen, welche Wirkung sie dort haben. Nootebooms Briefe zeigen dies.

Briefe an Poseidon

Christian Richard Gülde

Magister der Philosophie, Sprachwissenschaft und Literatur. Berufserfahrung als wissenschaftlicher Autor, Redakteur und Kommunikationsberater. Erfolgreich tätig für IT- und Handels-Unternehmen, NPOs, Buchverlage, Magazine, Tageszeitungen und Online-Medien. Seit fast 20 Jahren dem Rätsel Kommunikation auf der Spur. Weitere Schwerpunkte: Maritime Wirtschaft, Health, Wirtschaft & IT.