Kreuzfahrt mit Tiger

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Indien einmal anders: lieblich, abgelegen, einsam und der Natur ganz nah. Eine Flusskreuzfahrt an Bord der M.V. Mahabaahu auf dem Brahmaputra in Assam bietet bis zu 50 Gästen Einblicke in eine fremde Kultur – eine exotische Reise vor der grandiosen Kulisse des Himalayas.

Im Restaurant ist die Crew gerade damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen für das Abendessen zu treffen. Stühle werden zurechtgerückt, die gefalteten Servietten und das Besteck kontrolliert. Die meisten Passagiere halten sich in ihren Kabinen auf. Für mich aber ist es der ideale Zeitpunkt, um auf dem Sonnendeck gedankenverloren einem immer wieder faszinierenden Naturschauspiel zuzuschauen. Der Moment, in dem sich die Sonne als orangeroter Ball dem Horizont nähert und dabei die sanften Wellen des Flusses in ein leuchtendes Meer verwandelt, verzaubert mich. Was tagsüber wie unter einem graublauen Schleier lag, verwandelt sich in einen Rausch der Farben.

Geheimnisvoller Brahmaputra

Nicht umsonst wird der Brahmaputra „the mighty river“ – der mächtige Fluss – genannt. Von vier Religionen verehrt und zu manchen Zeiten bis zu 30 Kilometer breit, hat er eine geradezu spirituelle Ausstrahlung, der sich kaum ein Besucher entziehen kann. Von seiner Quelle in Tibet bis zur Mündung in den Indischen Ozean in Bangladesch fließt der große Strom durch zwei weitere Länder: China und Indien. Dabei formt der an Wasserreichtum viertgrößte Fluss der Welt die Ufer und Landschaften jedes Jahr neu. Inseln entstehen und werden wieder überflutet. Ständig neu geformte Sandbänke durchziehen das Wasser mäanderförmig, sodass der Fluss von oben wie eine komplizierte Patchworkdecke aussieht.

Kaziranga Morgenstimmung (Medium)

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Wir reisen auf der M.V. Mahabaahu, einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff mit 23 komfortablen Kabinen und zwei Suiten, das uns auf unserer siebentägigen Reise durch die exotische Landschaft im Nordosten Indiens führt. Die Innenausstattung ist geschmackvoll und überwiegend aus leichten, lokalen Materialien gefertigt, um den Tiefgang möglichst gering zu halten. Trotzdem braucht der Kapitän des Schiffes eine Menge Erfahrung, um das Schiff souverän durch den Dschungel der zum Teil unter der Wasseroberfläche liegenden Sandbänke zu manövrieren.

Zur Ausstattung des Schiffes gehören neben dem Restaurant eine Bar, eine stimmungsvolle Lounge mit einer Auswahl interessanter Bücher und Bildbände, ein Pool sowie ein kleiner Spa-Bereich mit Dampfbad, Friseur und Massage-Angebot. Schon nach kurzer Zeit an Bord vergessen wir Hektik und Stress und geben uns ganz dem Genuss und der Entspannung hin.

Langhäuser am Ufer

Bevor wir unseren ersten Landgang unternehmen, erfolgt die Sicherheitseinweisung. Die Schwimmwesten werden angezogen. Dann geht es hinunter in die Schnellboote, die uns zu den Mishing, einem indigenen Stamm, bringen. Selten verirren sich Fremde in dieses Gebiet, und so ist es kaum verwunderlich, dass am Ufer ein neugieriges Empfangskomitee auf uns wartet. Auch wenn das Leben hier noch

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abgeschottet und fern von westlichen Einflüssen sehr traditionell abläuft, haben selbst in diesem Teil der Welt die Handys Einzug gehalten. Und so werden wir – für uns eine neue Erfahrung – eifrig fotografiert, fast wie Models beim Einzug auf dem roten Teppich. Dann bummeln wir ungestört durch das hübsche Dorf, sehen Webstühle, Langhäuser auf Stelzen, angelegte Vorgärten und ländliche Tierhaltung.

Tiger und Panzernashörner

Das frühe Aufstehen ist nicht zu vermeiden, wenn wir rechtzeitig den Kaziranga Nationalpark, ein UNESCO-Weltnaturerbe, erreichen wollen. Noch vor dem Frühstück geht es im Morgengrauen auf dem Rücken von Elefanten durch das meterhohe Gras auf die Suche nach Tigern und anderen exotischen Tieren. Im kühlen, nebeligen Morgendunst begegnen wir zunächst Sambar- und Axis-Hirschen, die sich in großer Zahl auf die Lichtungen wagen, um sich an den ersten Sonnenstrahlen zu wärmen.

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Später treffen wir auf Elefanten und Affen. Die Ornithologen unter uns zücken ihre Kameras, um Reiher, Störche, Trappen, Rostgänse und Eisvögel auf die digitale Linse zu bannen. Dann steht er plötzlich vor uns, der bekannteste Bewohner dieses Parks: das Panzernashorn. Fast lautlos bewegt sich das gemütliche Schwergewicht durchs Geäst. Mit dem Nashorn hatten wir Glück, doch ein Tiger will sich an diesem Tag nicht zeigen. Und so lauschen wir später an Bord dem Vortrag des mitreisenden Biologen, der uns in die Geheimnisse der Natur einweiht und ausführlich von der faszinierenden Großkatze mit dem Tarnfell, das einem Muster aus Licht, Schatten und Geäst gleicht, erzählt.

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Teppiche aus Tee

Weiter geht die Reise auf dem Brahmaputra. Wir gleiten vorbei an grünen Teeplantagen, die wie Teppiche aussehen, die von leuchtend bunten Flecken – den farbenfrohen Kleider der Teepflückerinnen – durchsetzt sind. Kaum einer von uns hat sich bisher Gedanken über den aufwändigen Herstellungsprozess gemacht, der dem Genuss einer Tasse Tee vorangeht. Der Besuch einer Tee-Produktion gibt uns

 

interessante Einblicke in die Verarbeitung vom Blatt bis zum aromatischen Endprodukt. Mit diesem geschärften Bewusstsein genießen wir die nächste Tasse Tee mit deutlich mehr Ehrfurcht. Am Abend legt unser Schiff an einer unbewohnten Insel an. Wir sitzen um ein Lagerfeuer und fühlen uns wie Entdeckungsreisende in einem exotischen Land.

Mythen und Tänze

Die Yoga-Stunde an Deck am nächsten Morgen stimmt uns auf den Besuch von Majuli Island, der größten Insel im Brahmaputra, ein. Majuli bedeutet „Land zwischen Wasser“. Die Insel ist ein Kosmos assamesischer Kultur, in dem unterschiedliche Philosophien nebeneinander aufblühen konnten. Hier existieren seit dem 15. Jahrhundert historische Klöster, die sich dem Erhalt und der Entwicklung alter Kulturen und Künste verschrieben haben. Wir begrüßen die vaishnavitischen Priester, die mit ihrer Musik und ihren Tänzen mythischen Geschichten Ausdruck und fühlen uns in eine lang vergangene Zeit versetzt.

M.V. Mahabaahu (Medium)

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Informationen Flusskreuzfahrt Brahmaputra

Swimmingpool (Medium)

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Die siebentägige Flusskreuzfahrt auf dem Brahmaputra findet von November bis April flussaufwärts ab Guwahati oder flussabwärts ab Jorhat statt. Die Anreise erfolgt über Delhi oder Kalkutta. Eine drei- bis viertägige Schnupperkreuzfahrt jeweils bis Kaziranga ist ebenfalls möglich. Angeboten wird die Kreuzfahrt – auf Wunsch auch in Kombination mit Bhutan oder anderen Regionen in Indien – vom Kölner Spezialreiseveranstalter Daktari Travel, www.daktaritravel.de, Telefon 0049 (0)221 9712079, Email info@daktaritravel.de.