Barcelona – Mehr als ein traumhaftes Versprechen

Landgang Barcelona

Traumhafte Aussichten – in Barcelona erwartet den Besucher allerlei Sehenswertes. © C.R.Gülde

Der Schriftzug ist riesig und nicht nur Fußballverrückten auf der ganzen Welt bekannt: „Més que un club“ – „Mehr als ein Verein“. Das Motto des FC Barcelona, das im Camp Nou, dem größten Fußballstadion Europas, in gigantischen Lettern daran erinnert, dass es nicht nur um den Ball, sondern auch um zentrale Werte wie Freiheit und Demokratie geht – dieses Motto lässt sich ohne weiteres auf die ganze Stadt übertragen: Barcelona ist mehr als das traumhafte Versprechen einer exotischen Hafenstadt am Mittelmeer. Barcelona ist eine Lebenseinstellung! Und zudem bekannt als einer der größten Kreuzfahrthäfen der Welt. Gründe genug für shiptrips, die Hauptstadt Kataloniens ausführlich vorzustellen.

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Eine der Legenden Barcelonas besagt, dass Herkules die Stadt gründete, als er auf der Suche nach dem Goldenen Vlies die gestrandete Besatzung des neunten Schiffes der Argonauten von einem kleinen Hügel rettete. Herkules soll von der Landschaft so begeistert gewesen sein, dass er dort eine Stadt mit dem Namen Barca Nona – italienisch für „Neuntes Schiff“ – errichten ließ.

Rund 2,4 Millionen Passagierbewegungen in 2012

Heute stranden mit großer Begeisterung jährlich annähernd zweieinhalb Millionen Kreuzfahrtpassagiere in Barcelona und verzichten gerne darauf, von Herkules gerettet zu werden. Die Nachfolger der Argonauten beginnen entweder hier ihre Kreuzfahrt, beenden sie oder erleben die Stadt bei einem Zwischenstopp als einen der Höhepunkte ihrer Reise. Der Hafen Barcelonas besitzt die am stärksten frequentierten Kreuzfahrt-Terminals Europas, weltweit belegen die Passagierbewegungen in einem Ranking der Cruise Lines International Association den sechsten Platz.

Die insgesamt neun Terminals liegen dicht an der Stadt, vor allem die drei Terminals am World Trade Center und das Sant Bertrand Wharf Terminal, an dem meist kleinere Kreuzfahrtschiffe wie die Sea Cloud, die Club Med 2 oder die Columbus 2 anlegen. Wer dort festmacht, geht an Land, wo die weltberühmte Flaniermeile La Rambla beginnt. Sie führt von der bereits vom Schiff gut sichtbaren Kolumbus-Statue zur Plaça de Catalunya, dem Herzen der Stadt. Ein Weg, den man zu Fuß locker in einer halben Stunde zurücklegen kann – doch das dürfte wohl kaum jemandem gelingen, gibt es doch auf den „Rambles“, wie die Allee auch genannt wird, viel zu sehen. Ursprünglich war diese unglaublich lebhafte und ausgesprochen farbenprächtige Promenade ein Trockenflussbett, das zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert mit der Errichtung einiger klösterlicher und akademischer Gebäude städtebaulich erschlossen wurde und im 18. Jahrhundert durch die Pflanzung von Baumreihen den heutigen Allee-Charakter erhielt.

Clever kombiniert: Sightseeing und Shopping

Wie wohl in kaum einer anderen Metropole lassen sich in Barcelona Sightseeing und Shopping kombinieren. Vor allem, wenn man der Shopping Line folgt. Mehr als fünf Kilometer ist die Einkaufs-Route lang, die „Rambles“ sind der erste Abschnitt. Dann geht es von der Plaça Catalunya etwa 1,5 Kilometer den Passeig Gràcia entlang bis zum Plaça Rei Joan Carles I, wo man schließlich auf die lange Avinguda Diagonal wechselt – eine Route, auf der sich schicke Boutiquen, beeindruckende Konsumtempel wie El Cortes Inglés, FNAC und El Triangle und nicht zuletzt viele traditionelle Läden und Märkte mit zahlreichen Top-Sehenswürdigkeiten Barcelonas wie den Gebäuden von Gaudi abwechseln.

Modernisme – Barcelonas unverwechselbares Gesicht

Der mittlere Teil der Shopping Line zwischen Plaça Catalunya und Plaça Rei Joan Carles I führt durch das Quadrat d’Or – das Goldene Quadrat –, wie der Teil des mondänen Viertels Eixample genannt wird, der den Passeig Gràcia flankiert. Hier sind auch in Zeiten der Krise immer noch vor allem Luxusartikel zu finden – einzigartige Kreationen der Modeschöpfer, avantgardistische Möbel und kostbare Antiquitäten. Hier schlägt aber auch das Herz des Modernisme und jagt eine oft surrealistisch anmutende Extravaganz durch die Adern der Stadt. Modernisme – das ist nüchtern betrachtet eine katalanische Variante des Jugendstils. Eine gute Flasche Cava – der berühmte Champagner Kataloniens – und eine fortgeschrittene Stunde lassen den Modernisme aber ganz anders erscheinen: wie die Kulisse einer Geschichte, die in der Zukunft beginnt und im Hier und Jetzt ihrem Höhepunkt zusteuert. „Der Modernisme Català mag zum Jugendstil gehören“, erklärt Kunst-Student Paco, mit dem wir am Tresen der Tapasbar La Txapela am Passeig Gràcia ins Gespräch kommen, „aber es geht dabei nicht nur um Architektur. Natürlich spricht alle Welt vom großen Baumeister Gaudi, zu Recht. Dabei ist der Modernisme eine gesellschaftliche Erneuerungsbewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts begann und die sich nicht nur in der Architektur, sondern auch in der bildenden Kunst, Literatur und Musik ausdrückte. Eigentlich bis heute, auch wenn der Modernisme seine Blütezeit ungefähr von 1885 bis 1920 hatte.“

Die Katalanen – unabhängig und stark

Wir wollen von Paco wissen, ob nicht gerade jetzt – angesichts der Schwierigkeiten, in denen Spanien steckt – wieder Zeit für eine gesellschaftliche Erneuerung sei? Paco schaut uns groß an –, „die sei längst im Gange“, meint er. „Ihr sagt doch von eurer Hauptstadt, sie sei arm, aber sexy – Barcelona ist sexy und  stark, kein aber!“ „Kein Wunder“, entgegnen wir augenzwinkernd, „ist doch Euer Urahn Herkules.“ Paco grinst: „Ihr Deutschen dürft sowas sagen, aber wäret ihr Madrilenen, dann hieße das, wie sagt ihr in Deutschland … Schluz mit lustik!“

Was Paco meint, verstehen wir spätestens am nächsten Tag. Es ist der 11. September, der Nationalfeiertag der Katalanen, der von Jahr zu Jahr zunehmend dazu genutzt wird, für die Unabhängigkeit Kataloniens zu demonstrieren. Wie wir später erfahren, wurden wir Augenzeuge einer der größten Demonstrationen in der Geschichte Spaniens. Kilometerlang gingen wir an einer Menschenkette vorbei, an der mehrere hunderttausend Katalanen teilnahmen, um unter dem Slogan „Der katalanische Weg zur Unabhängigkeit“ für die Selbstständigkeit der wirtschaftsstärksten Region Spaniens einzutreten. Über eine Strecke von mehr als 400 Kilometern – von den Pyrenäen bis zur Grenze der Nachbarregion Valencia – reichten sich die Katalanen die Hände. Die Stimmung empfanden wir als ausgesprochen fröhlich und friedlich. Aber wir sind auch keine Madrilenen…

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Zurück zu Vergnügen und Gaudi

Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen haben sicher viele Aspekte; für den Reisenden, der nur kurz in der Stadt weilt, bleibt festzuhalten, dass die Katalanen Ausländern gegenüber ausgesprochen aufgeschlossen sind, ja herzlich. Dies hat letztlich sogar Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl: Auch wenn Barcelona der zweifelhafte Titel „Welthauptstadt der Kleinkriminalität“ verliehen wurde, fühlten wir uns nie in Gefahr. Im Stadtteil El Raval – westlich von der La Rambla, bekannt für das großartige Museu d’Art Contemporani (MACBA) – hilft nachts allerdings eine Portion Ignoranz, um sich sicher zu fühlen. Doch zurück zu Vergnügen und Gaudi: der Geist des als genial gepriesenen Baumeisters, der 1926 in Barcelona starb und eine unvollendete Kathedrale hinterließ – die Sagrada Familia – ist allgegenwärtig. Gaudi beherrscht Barcelona – und wer nur einen Tag Zeit für Barcelona hat und mehr von der Stadt sehen will als organische, bunte Bauwerke, muss sich schon bewusst dazu entschließen. Beispielsweise indem er im Tourist Office an der Plaça Sant Jaume eine der sehr empfehlenswerten zweistündigen geführten Touren durch das Barri Gòtic, das gotische Stadtviertel, bucht. Das soll nicht heißen, dass die Sagrada Familia, Gaudis berühmtestes Bauwerk, keine Besichtigung wert wäre – rund zwei Millionen Besucher entscheiden sich jedes Jahr dafür. Damit gehört die Sagrada Familia zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten weltweit, das heißt aber auch: Wer auf eigene Faust die Kathedrale besichtigen will, muss in der Regel erst einmal Schlange stehen. Als Belohnung wartet dann die Antwort auf die Frage, ob die Warterei eine kluge Entscheidung war.

Allen, die keine Strichliste führen, auf der sie Sehenswürdigkeiten abhaken, empfehlen wir statt eines zeitraubenden Besuchs der Sagrada Familia einen Ausflug in den von Gaudi gestalteten Park Güell, der nach dem wichtigsten Mäzen des Stararchitekten, dem Bankier Eusebi Güell, benannt ist und von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Der Park Güell befindet sich im Stadtteil Gràcia, hoch über dem Meer, und bietet eine Vielzahl phantastischer Ausblicke auf die Stadt und die ein- und auslaufenden Kreuzfahrtschiffe. In der Parkanlage befinden sich zahlreiche Bauten und Kunstwerke Gaudis, die mit dekorativen Keramik-Elementen verziert sind, die unter Verwendung von Steinen, Glas-, Fliesen- und Marmorstücken angefertigt wurden. Ein schöner Platz, um den Beginn der in Barcelona so verheißungsvollen Nächten mit einem grandiosen Ausblick zu feiern, ist die berühmte, wellenförmige Bank auf dem Dach der von 86 Säulen getragenen Halle an der Haupttreppe.

Handfest oder erlesen: Barcelonas grandiose Gastlichkeit

Wer dann beseelt von der magischen Atmosphäre dieses einzigartigen Ortes Lust verspürt, das wahre Barcelona kennenzulernen, der sollte noch etwas im Studentenviertel Gràcia mit seinen engen Gässchen und vielen kleinen Plätzen bleiben und in der „La Cerveseria“ an der Plaça de la Revolució ein eiskaltes Moritz trinken. Das Traditionsbier Barcelonas, die köstlichen Tapas, der herzliche Service des Camarero und die ausgelassene Stimmung der Studenten, die jeder Wirtschaftskrise standzuhalten scheint, können einen Abend in Gràcia tief im Herzen verankern. Wer es gleich mehrere Kategorien schicker mag und testen will, ob die vielbeachtete Avantgarde der Katalanischen Küche die Spitzenleistungen der Bordköche zu toppen vermag, der besuche das Hotel Meliá Barcelona Sky, fahre mit dem Fahrstuhl in den 24. Stock bis zum Michelin-Stern und gehe – durch die Küche! – ins Dos Cielos. So er denn einen Tisch bekommt. Wir waren zur Mittagszeit da und gingen am frühen Abend – nach sieben Gängen und vielen weiteren zusätzlichen Kostproben, die das Team um die Brüder Javier und Sergio Torres in der zum Gastraum offenen Küche für uns zubereitete. Da das Dos Cielos hoch über den Dächern Barcelonas liegt, weiß man nie, ob man aus dem Fenster gucken oder den Köchen zuschauen soll. Javier erzählte uns, dass sie an ihrem zweiten Michelin-Stern arbeiten und sich freuen würden, wenn mit den Kreuzfahrtschiffen Gäste aus der ganzen Welt zu ihnen kämen, um sich von der Kreativität der katalanischen Küche zu überzeugen.

Tibidabo – Das alles will ich Dir geben!

Die bibeltreuen Barcelonier wissen, dass der Teufel Jesus auf einen hohen Berg führte, auf das reiche Tal wies und einen Bestechungsversuch auf lateinisch startete: „tibi dabo“ – „das alles will ich Dir geben“. Jesus verzichtete, aber für die Bewohner Barcelonas steht zumindest fest: Dieser hohe Berg muss ihr Hausberg gewesen sein. Wo sonst verheißt der Blick ins Tal so große Verlockungen? Und so nannten sie den 512 Meter hohen Berg im Rücken Barcelonas Tibidabo. Und tatsächlich: Wer mit der nostalgischen Standseilbahn hinauffährt und mit jedem Höhenmeter ein breiteres Panorama von Barcelona gewinnt, spürt, dass diese Stadt eine Versuchung ist. Oben warten dann eine katholische Kirche und ein überaus charmanter Vergnügungspark – beides himmlisch schön. Und plötzlich begreift man: Jesus brauchte gar nicht widerstehen, dem Teufel gehört hier nichts.

Tipps für Barcelona

Diese Karte von VesselFinder zeigt, welche Schiffe aktuell in Barcelona sind:

Das sollten Sie ebenfalls nicht verpassen:

  •  La Catedral – die gotische Kathedrale: Das nicht minder beeindruckende Gegenstück zur Sagrada Familia. Tolles Fotomotiv: die weißen Gänse, die im Innenhof den Domschatz bewachen. Am Place de la Seu im Barri Gotic.
  • Museu del FC Barcelona: Wer sich einmal wie Messi fühlen will, besucht am besten das Museum des FC Barcelona, direkt im Stadion Camp Nou. Highlight: Einlaufen auf den heiligen Rasen, begleitet von Fangesängen.
    www.fcbarcelona.com/camp-nou/museum
  • Barcelonas Hafenseilbahn: Fantastische Ausblicke auf die Kreuzfahrtschiffe bei einer Seilbahnfahrt vom Hügel Montjuic über den Torre Jaume I bis zum Torre Sant Sebastià, inklusive Überquerung des alten Hafens Port Vell.
    www.portvellbcn.com
  • Barcelona Bus Turístic: Man sieht sie in nahezu jeder Metropole: die doppelstöckigen Bus-Cabrios, die einen einzigartigen Überblick versprechen. In Barcelona wird dieses Versprechen mit drei hervorragend kombinierbaren Routen voll und ganz eingelöst.
    www.barcelonabusturistic.cat
  • Golondrines – Rundfahrt entlang der Küste Barcelonas: Wer trotz Kreuzfahrt von Schiffen nicht genug bekommen kann, sollte mit den kleinen Golondrines in See stechen – nicht nur wegen der einzigartigen Ausblicke auf die Kreuzfahrtschiffe, sondern auch um festzustellen, dass Schiffe ganz schön schaukeln können.
    www.lasgolondrinas.com


Wohnen statt übernachten:
Angla Boutique Apartments

Wer ein paar Tage vor oder nach einer Kreuzfahrt in Barcelona verbringen und sich wie ein Katalane mit Luxuswohnung fühlen will, der sollte sich einmal die im Oktober 2012 eröffneten Angla Boutique Apartments anschauen. Ideal für Familien oder befreundete Paare sind vor allem die geschmackvoll eingerichteten und voll klimatisierten 2- und 3-Zimmer-Apartements, da sie über 2 Bäder, eine komplett ausgestattete Küche, Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler, Safe, iPod-Station und einen riesigen Flatscreen verfügen. Beide Appartementhäuser liegen zentral im schicken Viertel Eixample und die sehr freundlichen Concierges wissen immer, was aktuell in Barcelona angesagt ist.

www.anglaboutiqueapartments.com

Weitere Infos zu Barcelona hier

 

Christian Richard Gülde

Magister der Philosophie, Sprachwissenschaft und Literatur. Berufserfahrung als wissenschaftlicher Autor, Redakteur und Kommunikationsberater. Erfolgreich tätig für IT- und Handels-Unternehmen, NPOs, Buchverlage, Magazine, Tageszeitungen und Online-Medien. Seit fast 20 Jahren dem Rätsel Kommunikation auf der Spur. Weitere Schwerpunkte: Maritime Wirtschaft, Health, Wirtschaft & IT.