Volle Orderbooks: Mehr als 30 neue Kreuzfahrtschiffe bis Ende 2018

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Heute gibt es die passende Kreuzfahrt für jeden

Kreuzfahrtschiffe – als Plattformen für zukunftsweisende touristische Konzepte begrüßt sie die Meyer Werft, als kleine schwimmende Städte mit großen ökologischen Fußabdrücken kritisiert sie der Naturschutzbund Deutschland (NABU). In diesem Spannungsfeld vollzieht sich der Boom der Kreuzfahrt-Branche, die bei Neubauten zunehmend auf Nachhaltigkeit setzt.

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 „Die Kreuzfahrtindustrie hat es in den vergangenen Jahren geschafft, ihr angestaubtes Image abzustreifen. Mein eigenes Unternehmen AIDA war hier vor fast 20 Jahren Vorreiter in Deutschland. Vieles, was wir damals gewagt haben, ist heute längst Standard in der Kreuzfahrt.“ Michael Ungerer, President AIDA Cruises und Vorsitzender von CLIA Deutschland (Cruise Lines International Association) beschreibt die Grundlagen, die aus seiner Sicht zum derzeitigen Erfolg der Branche beigetragen haben: „Mit innovativen und vielfältigen Angeboten haben wir völlig neue Zielgruppen erschlossen. Heute gibt es die passende Kreuzfahrt für jeden.“

Der Ritt auf der Erfolgswelle

Diese Qualitäten schlagen sich deutlich in den von der Cruise Lines International Association (CLIA) ermittelten Branchen-Kennzahlen nieder. Im vergangenen Jahr leistete die Kreuzfahrt-Industrie durch ihre Investitionen weltweit einen Wirtschaftsbeitrag in Höhe von 117 Milliarden US-Dollar und sicherte damit 891.009 Vollzeit-Arbeitsplätze mit Löhnen in Höhe von insgesamt 38,47 Milliarden US-Dollar. Das Wachstum der Branche ist beeindruckend: Von 2003 bis 2013 stieg weltweit die Zahl der Passagiere von 12 Millionen auf 21,3 Millionen, das entspricht einem Zuwachs von 77 Prozent. Die Zahl der in Europa gebuchten Kreuzfahrten steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent und erreichte 2013 mit dem Rekordwert von 6,4 Millionen einen 30-prozentigen Anteil am Weltmarkt. Damit hat sich die Größe des europäischen Kreuzfahrtmarktes innerhalb von nur acht Jahren verdoppelt und mit einem Wachstum von 43 Prozent seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 eine beeindruckende Performance auch in einem äußerst schwierigen Umfeld unter Beweis gestellt. Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen: Der langfristige Trend über fünf Jahre prognostiziert eine Zunahme der europäischen Passagierzahlen um jährlich rund sieben Prozent. „Der globale CLIA-Report zum Beitrag der Kreuzfahrtindustrie zur Weltwirtschaft bestätigt die ausgezeichnete Lage der Kreuzfahrtbranche in Europa“, so Pierfrancesco Vago, Chairman von CLIA Europe und Executive Chairman von MSC Cruises. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass fast 45 Prozent der weltweiten Leistung dieser Branche im Jahr 2013 in Europa erwirtschaftet wurde.“

©  AIDA Cruises

CAD-Rendering der AIDAprima © AIDA Cruises

Markt längst nicht gesättigt

Zwar sind die USA mit einem Anteil von 10,92 Millionen Passagieren in 2013 immer noch mit weitem Abstand der größte Markt, aber Europa belegt mit Großbritannien und Irland (1,73 Millionen), Deutschland (1,69 Millionen) und Italien (0,87 Millionen) die folgenden drei Plätze im Länderranking. „In vielen anderen Ländern steckt diese Urlaubsform noch in den Kinderschuhen, der Markt ist noch lange nicht gesättigt“, so Ungerer. „Mit unseren innovativen und vielfältigen Angeboten begeistern wir ganz neue Zielgruppen und erschließen weitere Märkte. Für AIDA Cruises ist Deutschland auch zukünftig der wichtigste Quellmarkt. Meiner Einschätzung nach wird Deutschland noch in diesem Jahr zum größten europäischen Kreuzfahrtmarkt aufsteigen und weltweit Platz zwei, hinter den USA, einnehmen.“

Australien und China mit größtem Wachstumspotenzial

Außerordentlich starke Wachstumsraten werden von der CLIA in Australien und Neuseeland verzeichnet. Dort ist der Markt, der aktuell einen Anteil von 3,6 Prozent am Weltmarkt aufweist, in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 130 Prozent gewachsen. Und am Horizont taucht bereits der nächste Gigant auf: China. „In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird China einschließlich Hongkong eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der globalen Kreuzfahrtindustrie spielen“, glaubt Liu Zinan, verantwortlich für den chinesischen Markt bei Royal Caribbean Cruises Ltd. (RCCL). Auch die weltgrößte Kreuzfahrtveranstalterin, die britisch-amerikanische Carnival Corporation & plc, die mit den Marken Carnival, Holland-America, Cunard, P&O, Princess, Seabourn, Costa, AIDA und Ibero weltweit rund 100 Schiffe im Einsatz hat, setzt verstärkt auf China. Ab April 2015 wird Carnival mit der Entsendung der „Costa Serena“ nach Shanghai als erstes Unternehmen der Branche vier Schiffe mit einem Heimathafen in China haben.

© Holland America Line

CAD-Rendering der Konigsdam  © Holland America Line

Hochdynamisches Umfeld für fünf Werften

Im Schnitt wird rund alle acht Wochen ein Kreuzfahrtschiff ausgedockt. „Ein beachtliches Neubau- und Investitionsprogramm, mit dem nicht nur die beteiligten Werften, sondern auch die deutsche und europäische Zulieferindustrie ihr Können erfolgreich unter Beweis gestellt haben“, so Ungerer. Von der weltweit starken Entwicklung auf den Kreuzfahrtmärkten profitieren – mit unterschiedlichem Erfolg – vor allem vier Werften in Europa und eine in Japan. Die Schiffbauer auf der Papenburger Meyer Werft, bei Fincantieri in Italien, im finnischen Turku, bei STX Europe im französischen St.Naiziere und bei Mitsubishi in Japan freuen sich über volle Auftragsbücher und auf Jahre hinaus belegte Docks. Die jeweiligen Geschäftsführungen der Werften müssen allerdings in diesem hochdynamischen Umfeld wiederholt neue Strategien entwickeln, um Marktpositionen auszubauen oder zumindest zu sichern. Jüngstes Beispiel: Die Meyer Werft. Noch vor wenigen Jahren musste sie mit dem Wechsel von AIDA zu Mitsubishi den vorläufigen Verlust eines enorm wichtigen Kunden verkraften, nun übernimmt sie mit einem Anteil von 70 Prozent das operative Management der Werft von STX Europe Turku in Finnland, die fortan Meyer Turku Oy heißen wird. Auf diese Weise gewinnen die Papenburger auch einen neuen, ebenfalls sehr wichtigen Kunden. Denn in Finnland arbeiten für die stark expandierende deutsche Reederei TUI Cruises – ein Joint Venture von TUI und RCCL – aktuell rund 1300 Menschen an der „Mein Schiff 4“. Deren nachvollziehbare Angst vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze durch den Einstieg der Meyer Werft versucht ihnen Geschäftsführer Dr. Jan Meyer zu nehmen, der nach der Übernahme auch CEO von Meyer Turku Oy sein wird: „Wir stärken alle Standorte gleichermaßen. Positive Effekte sind durch eine höhere Flexibilität gegenüber den Kunden gegeben. Auch durch ein zukünftig noch stärkeres gemeinsames Vorgehen im Bereich Forschung & Entwicklung im Kreuzfahrtmarkt sowie gegenseitige Lerneffekte bei den Arbeitsabläufen sind positive Synergien möglich.“ Die Meyer Werft strebt also weniger eine Verlagerung der Kapazitäten an, sondern vielmehr eine „deutliche Stärkung der gebündelten europäischen Kompetenz im Kreuzfahrtsektor“. Eine Aussage, die auch für Ruhe an den deutschen Standorten sorgen soll. „Ein Personalabbau in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder in Finnland sind kein Thema“, bekräftigt Geschäftsführer Meyer. Dieser wäre vor dem Hintergrund, dass TUI Cruises jüngst vermeldete, die „Mein Schiff 5“ und die „Mein Schiff 6“ ebenfalls in Turku zu bestellen (Auslieferungstermine 2016 bzw. 2017) und zudem unverbindlich Slots für „Mein Schiff 7“ und „Mein Schiff 8“ zu reservieren (Auslieferungstermine 2018 bzw. 2019), auch nicht zu erwarten.

©  TUI Cruises

CAD-Rendering der Mein Schiff 3 © TUI Cruises

Moderne Abgastechniken kommen verstärkt zum Einsatz

Die Reedereien setzen heute verstärkt auf umweltfreundliche Technologien, verfolgen dabei jedoch ganz unterschiedliche Ansätze. So belegt AIDA Cruises im aktuellen Ranking des NABU, der als einer der schärfsten Kritiker der Kreuzfahrt-Industrie jedes Jahr die verwendeten Kraftstoffe sowie die eingesetzten Abgastechniken der Kreuzfahrtschiffe hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit bewertet, den ersten Platz. Ungerer: „Uns allen ist klar, dass es ohne eine intakte Umwelt langfristig schlichtweg keine Kreuzfahrten mehr geben kann!“ Eine Aussage, der Taten folgen, die hoffentlich – auch zum Wohle der gesamten Branche – viele Nachahmer finden. „In die Entwicklung und Umsetzung neuer, umweltfreundlicher Technologien investieren Kreuzfahrtunternehmen und Schiffbauer mittlerweile beträchtliche Summen. Allein AIDA Cruises wird bis 2016 100 Mio. Euro zusätzlich in modernste Umwelttechnologien investieren“, so Ungerer. „Unsere Neubauten 2015 / 2016 erhalten ein umfassendes Filtersystem zur Reduzierung der Abgase. Mit dieser bislang einzigartigen Technologie zur Abgasnachbehandlung werden wir erstmals alle drei wichtigsten Emissionsarten – Rußpartikel, Stickoxide und Schwefel – filtern und somit zwischen 90 und 99 Prozent reduzieren können. Darüber hinaus werden wir in den nächsten Monaten und Jahren auch unsere bestehende Flotte schrittweise mit diesem neuartigen Filtersystem nachrüsten. Als erste Kreuzfahrtschiffe weltweit werden unsere Neubauten außerdem über einen Dual-Fuel Motor verfügen, der die Energieerzeugung über Flüssiggas, wo immer verfügbar, ermöglicht.“

Obgleich sowohl die „Mein Schiff 3“ als auch die kommenden Schiffe „Mein Schiff 4“ bis „Mein Schiff 6“ voraussichtlich nicht über Rußpartikelfilter verfügen werden und die eingebauten Stickoxid-Katalysatoren lediglich die Abgase der Hilfsmotoren reinigen sollen, nicht aber die der Hauptmaschinen, belegt TUI Cruises mit ihren Schiffen die vorderen Plätze im aktuellen NABU-Ranking. Denn zumindest Abgaswäscher, die sogenannten Scrubber, SCR-Katalysatoren und Landstromanschlüsse werden eingesetzt.

Die verschärften Vorschriften zum Schwefelgehalt der Kraftstoffe, die beispielsweise ab 2015 auch für die Nord- und Ostsee in Kraft treten, werden voraussichtlich auch allein durch den Einsatz von Scrubbern eingehalten werden können. Doch immer mehr Kreuzfahrtpassagiere achten im Sinne der Nachhaltigkeit darauf, dass sie auf umweltfreundlichen Schiffen unterwegs sind. Und die Kreuzfahrtunternehmen planen weitere Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz von Propulsion und Schiffsbetrieb sowie zur Reduzierung der schädlichen Abgasbestandteile wie NOx und Partikel. So ist zu erwarten, dass mit dem Boom auch das Umweltbewusstsein sowohl bei den Anbietern als auch den Passagieren wächst.


Orderbook bis Ende 2018

 

Schiff Reederei Werft Pass. BRZ Auslieferung
Costa Diadema
(Project Super Costa)
Costa Fincantieri, Marghera 4947 132.500 Oktober 2014
Mein Schiff 4 TUI Cruises STX Finland 2500 97.000 Frühjahr 2015
Britannia P&O Cruises Fincantieri 3611 141.000 Frühjahr 2015
Anthem of the Seas
(Project Sunshine)
Royal Caribbean Meyer Werft 4100 158.000 März/April 2015
Le Lyrial Compagnie du Ponant Fincantieri 264 11.000 April 2015
Viking Star Viking Ocean Cruises Fincantieri, Marghera 928 47.800 Mai 2015
AIDAprima AIDA Mitsubishi 3250 125.000 Oktober 2015
Norwegian Escape Norwegian Cruise Line Meyer Werft 4.200 163.000 Oktober 2015
Carnival Vista Carnival Cruise Line Fincantieri 4.000 135.000 Frühjahr 2016
Koningsdam Holland America Line Fincantieri, Marghera 2.650 99.500 Februar 2016
n.n. AIDA Mitsubishi 3.250 125.000 März 2016
Viking Sky Viking Ocean Cruises Fincantieri 928 47.800 Frühjahr 2016
Seven Seas Explorer Regent Seven Seas Cruises Fincantieri 738 54.000 Sommer 2016
n.n.
(Oasis Class)
Royal Caribbean International STX France 5.400 225.280 Jahresmitte 2016
n.n.
(Quantum Class)
Royal Caribbean International Meyer Werfti 4.100 158.000 Jahresmitte 2016
n.n. Seabourn Fincantieri, Marghera 604 40.350 zweite Jahreshälfte 2016
n.n. Star Cruises Meyer Werft 3.364 150.000 Oktober 2016
Viking Sea Viking Ocean Cruises Fincantieri 928 47.800 Herbst 2016
Mein Schiff 5 TUI Cruises STX Finland 2.500 97.000 2016
Norwegian Bliss Norwegian Cruise Line Meyer Werft 4.200 163.000 März 2017
n.n. Viking Ocean Cruises Fincantieri 928 47.800 Frühjahr 2017
n.n. MSC STX France 5.700 167.600 erste Jahreshälfte
n.n. Star Cruises Meyer Werft 3.364 150.000 Herbst 2017
n.n. Princess Cruises Fincantieri 3.560 143.000 2017
n.n.
(Projekt „Seaside“)
MSC Fincantieri 5.300 154.000 November 2017
Mein Schiff 6 TUI Cruises STX Finland 2.500 97.000 2017
n.n.
(Projekt „Seaside“)
MSC Fincantieri 5.300 154.000 Mai 2018
n.n.
(Breakaway-Plus-Klasse)
Norwegian Cruise Line Meyer Werft 4.200 164.600 2. Quartal 2018
n.n.
(Oasis Class)
Royal Caribbean International STX France 5.400 225.280 2018
Titanic II Blue Star Line (Clive Palmer) CSC Jinling Shipyard, China 1.680 40.000 ursprünglich 2016, um zwei Jahre auf 2018 verschoben

 

Christian Richard Gülde

Magister der Philosophie, Sprachwissenschaft und Literatur. Berufserfahrung als wissenschaftlicher Autor, Redakteur und Kommunikationsberater. Erfolgreich tätig für IT- und Handels-Unternehmen, NPOs, Buchverlage, Magazine, Tageszeitungen und Online-Medien. Seit fast 20 Jahren dem Rätsel Kommunikation auf der Spur. Weitere Schwerpunkte: Maritime Wirtschaft, Health, Wirtschaft & IT.