Temperamentvoller Landausflug auf Kuba: Mit Mimi durch Trinidad

© Sigrid Krings

Fröhlich, temperamentvoll und voller Energie: Wer mit Mimi durch Trinidad schlendert, spürt den Herzschlag des kubanischen Lebensgefühls. 

„Come on, my sweetest pirates, let’s go!“. Selbstbewusst steht Mimi auf einer kleinen Aussichtplattform oberhalb des weitläufigen Zuckertals, der Valle de los Ingenios, und ruft ihre Schäfchen zu sich – eine muntere Reisegruppe, die vormittags an der Playa Ancón an Land gegangen ist. Vor der kubanischen Küste ankert das Schiff der „Piraten“, der viermastige Großsegler Star Flyer der monegassischen Reederei Star Clippers. Brust und Bauch hat Mimi herausgestreckt, die Schultern sitzen straff, das dichte, schwarzgelockte Haar wirft sie fröhlich nach hinten.

Die 38-jährige Kubanerin ist voller Energie und lotst ihre Schützlinge liebevoll in den bereitstehenden Reisebus. Sie möchte den wissbegierigen Europäern während des Ausflugs durch die Umgebung und die Stadt Trinidad möglichst viel über ihr Land erzählen. Über ihre Heimat, die sie so sehr liebt. Der sie aber trotzdem – wie viele ihrer Landsleute auch – mit kritischer Distanz gegenüber steht. Denn sie darf wie alle Kubaner das seit 1965 kommunistisch regierte Land nicht verlassen, hat keinen freien Zugang zum Internet, ein kärgliches Monatseinkommen und muss auch sonst im täglichen Leben mit vielen Einschränkungen klarkommen. Zum Beispiel, dass es Waschmittel, Zahnpasta und Seife entweder gar nicht zu kaufen gibt oder ein kleiner Einkauf locker das gesamte Monatseinkommen verschlingt.

 

„Aber ich will nicht klagen. Das Leben ist viel zu schön, um zu klagen!“, sagt Mimi und lacht ein herzerfrischendes Lachen. Und überhaupt: „Wisst Ihr eigentlich, dass Kuba ein hervorragendes Schulsystem hat und es für jeden kostenlos zugänglich ist?“. Man solle sich also von niemandem weißmachen lassen, dass man aufs Betteln angewiesen sei. Auch nicht beim nächsten Haltepunkt der Gruppe, dem ehemaligen Plantagenhaus mit Wachturm von Manaca-Iznaga. Dort nämlich warten neben fliegenden Händlern auch etliche Bettler und es empfiehlt sich, Wertsachen gut verschlossen zu halten. Obwohl Kuba als eines der sichersten Ländern Mittelamerikas gilt und die Kriminalitätsrate extrem niedrig ist.

Nach einem wackeligen Aufstieg über die Holztreppen des Wachturms, der durch einen fantastischen Blick über die ehemaligen Zuckerrohrplantagen belohnt wird, geht es auch schon weiter zum Rundgang durch die unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes stehende kleine Stadt Trinidad. Im Innenhof eines Cafés zückt Mimi ihr Handy. „Seht mal hier: Das ist mein Sohn, ich liebe ihn über alles“, schwärmt sie und zeigt das Foto eines kleinen Jungen herum. Sie vermisse ihn so sehr. Wie fast alle kubanischen Frauen arbeitet die ausgebildete Lehrerin den ganzen Tag, um den Kleinen kümmert sich währenddessen eine Kinderfrau. Der Vater des Kindes? Ist über alle Berge. „Was zu viel ist, ist einfach zu viel“, fasst die Kubanerin mehrdeutig zusammen.

Sigrid Krings

Ob sachlicher Bericht, knackige Nachricht, lebendige Reportage oder einfühlsames Portrait – Sigrid Krings setzt Themen so um, dass sie beim Leser auch wirklich ankommen. Dabei hilft ihr ihre fundierte Ausbildung als Juristin und Journalistin. Als Freelancerin und in Redaktionen hat sie jahrelang wertvolle Erfahrungen gesammelt.