MS Europa 2: Entertainment-Managerin im Interview

Stefanie Lämmerhirt, Entertainment Managerin auf der MS Europa 2, wird regelmäßig vom Fernweh gepackt.

Sie hat immer ein offenes Ohr, wenn einer der rund 30 Künstler an Bord der MS Europa 2 Unterstützung braucht. Sie klärt technische und organisatorische Fragen, nimmt sich aber auch Zeit, wenn jemand sein Herz ausschütten möchte. shiptrips-Redakteurin Jutta Lemcke hat die Entertainment Managerin auf hoher See im Jazz Club der Europa 2 getroffen und sie nach dem Leben an Bord gefragt. Eine lange Plauderstunde – immer mal unterbrochen vom Telefon.

Stefanie Lämmerhirt

Stefanie Lämmerhirt © Hapag-Lloyd Kreuzfahrten

Haben Sie als Entertainment Managerin eigentlich auch einmal Feierabend?

Sie sehen ja, immer mal wieder klingelt das Telefon. Der Pianist fragt, wo er üben kann oder die Band möchte wissen, wann sie mit dem Aufbau der Instrumente beginnen soll. Aber ehrlich, mir macht das unheimlich Spaß! Ich treffe mit den Künstlern so viele unterschiedliche und interessante Menschen – es wird einfach nie langweilig.

Wie wird man Entertainment Managerin auf der Europa 2?

Ich war schon als kleines Mädchen begeistert von der Bühne. Also habe ich Schauspiel, Gesang und Tanz studiert und bin in Musicals, am Theater und im Fernsehen aufgetreten. Mein erstes Kreuzfahrtschiff war die Mein Schiff 1 – dort bin ich als Allrounderin in den Shows aufgetreten – eine aufregende Zeit. Nebenher habe ich Theatermanagement studiert. Als Entertainment Managerin habe ich mich vor zwei Jahren für die Europa beworben – und bin gleich genommen worden. Nun bin ich im Wechsel auf der Europa und der Europa 2.

Wie unterscheiden sich die beiden Schiffe denn aus Ihrer Sicht?

Das Stichwort für die Europa 2 ist für mich Entschleunigung. Während auf der Europa vieles durchgeplant ist, haben wir hier ein offenes Konzept. Es wird insgesamt weniger angeboten und die Gäste können ganz nach ihren persönlichen Wünschen entscheiden, was und wie viel sie mitmachen wollen. Manche Europa-Gäste vermissen auf der Europa 2 die engmaschige Betreuung, viele Gäste jedoch genießen die Freiräume.

Was fasziniert Sie am Leben auf See?

Ich liebe es, unterwegs zu sein, zu reisen, die Welt zu sehen. Ich komme aus Sonneberg in Südthüringen und habe jetzt meine Basis auf Mallorca. Doch wenn ich länger zu Hause in meiner Wohnung bin, bekomme ich richtig Fernweh.

Wie empfinden Sie das Leben auf einem Kreuzfahrtschiff mit so vielen Menschen auf einem Raum?

Die Europa 2 ist in dieser Hinsicht ja sehr luxuriös – wir haben das größte Platzangebot pro Passagier weltweit. Aber ich liebe auch das Miteinander, wir sind wirklich wie eine große Familie, das ist mein Zuhause. Das Schiff ist für mich wie eine Insel, die immer neue, ferne Länder besucht. Der Kapitän ist wie der Bürgermeister einer kleinen Stadt.

Gab es für Sie einen ganz besonderen Moment auf dem Schiff?

Ja, tatsächlich. Wir fuhren in den Geiranger Fjord in Norwegen. Vor mir breitete sich das Wasser und diese unglaubliche Landschaft aus. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

Welche konkreten Aufgaben haben Sie auf der Europa 2?

Ich betreue alle Künstler an Bord – von der Band über die Gastkünstler bis zum Ozeanpianisten. Gleich am Anfang einer Reise gibt es mehrere Meetings, in denen alle Regeln an Bord besprochen werden – im Umgang untereinander, aber auch gegenüber den Gästen. Wichtig ist, dass die Gäste immer Vorrang haben, zum Beispiel, wenn es um Plätze bei den Ausflügen oder im Tenderboot geht. Wir, und das schließt die Künstler ein, sind Dienstleister für unsere Gäste.

Haben Sie auch ganz praktische Aufgaben?

Aber ja. Da brauchen Musiker zum Beispiel Kopien von ihren Noten oder es meldet sich jemand krank und wir müssen das Programm umstellen. Sehr wichtig ist die Organisation der Übungszeiten. Die Möglichkeiten und Zeiten sind begrenzt, da die Gäste nicht gestört werden sollen. Wir haben zwar drei Steinway-Flügel an Bord, aber das Instrument in der Lobby kann nicht zum Üben genutzt werden, weil das stören würde. Bei allen Fragen ist viel Fingerspitzengefühl nötig. Künstler sind oft sensible Menschen, die viel Zuwendung brauchen. Für mich ist wichtig, auch menschlich immer dicht an ihnen dran zu sein, dann funktioniert alles andere auch gut.

Unterscheidet sich für die Künstler die Situation an Land und an Bord?

Es gibt einen wichtigen Unterschied. Wer an Land in ein Konzert oder zu einer Show geht, hat den Termin gewählt und ein Ticket gekauft – es ist eine ganz bewusste Entscheidung. Hier an Bord ist das viel flexibler. Die Gäste kommen spontan und gehen unter Umständen auch spontan. Das kann viele Gründe haben und muss keine Wertung der künstlerischen Leistung sein. Für den Künstler ist es wichtig, das zu wissen und zu akzeptieren.

Sind die Künstler Gäste oder gehören sie eher zur Crew?

Sie sind Teil der Crew, wenn auch mit besonderer Stellung. Das Konzept auf der Europa 2 sieht vor, dass sich die Künstler unter die Gäste mischen, also mit ihnen ganz selbstverständlich in den Restaurants oder an der Bar zusammentreffen. Das ist für beide Seiten eine Bereicherung und es gibt einen regen Austausch. Gästen auf dieser Reise hat zum Beispiel die Band so gut gefallen, dass sie sie für eine private Feier engagiert haben.

Interview: Jutta Lemcke

 

Jutta Lemcke

Liebt ihre Heimatstadt Hannover - ist aber genauso gerne rund um den Globus auf Reisen. Ob die sieben Weltmeere, asiatische Mega-Metropolen oder die endlosen Wüsten Afrikas - die Journalistin und Buchautorin fühlt sich ganz zuhause, wenn sie in der Ferne unterwegs ist.