MS Europa 2: Kunst auf Kreuzfahrt

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Von Gerhard Richter bis Damien Hirst – die Kunstsammlung auf der MS Europa 2 macht manches Museum neidisch

In jeder Suite des Hapag-Lloyd Luxusschiffes hängen Originale – 890 Kunstwerke befinden sich fest installiert auf der MS Europa 2. Galeristin Stefanie Busold ist begeistert vom unaufdringlichen Kunstengagement der Hamburger Traditionsreederei und zeigt interessierten Gäste die spannendsten Werke in Gängen, Restaurants und in den Suiten.

Nutzt Hapag-Lloyd den Kunsthandel als Zusatzgeschäft auf der MS Europa 2?

Stefanie Busold: Nein, weit gefehlt. Alle Kunstwerke, die Sie an Bord sehen, gehören fest zum Schiff und sind definitiv unverkäuflich. Allein die Wechselausstellung in der Galerie auf Deck 2 neben der Bibliothek bietet die Möglichkeit, Kunst zu kaufen.

Welches Konzept steckt dahinter?

Die Kunst auf dem Schiff soll die Gäste erfreuen und sie auf der Kreuzfahrt anregend begleiten. Bereits drei Jahre vor Fertigstellung des Schiffes 2013 hat sich eine Kunstkommission gebildet, um die Sammlung zu planen. Es gibt auch direkt an den Kunstwerken keine Hinweise auf Künstler, Schaffensjahr und Namen.

Wie können die Gäste erfahren, mit welchen Kunstwerken sie es zu tun haben?

Auf jeder Suite liegt ein ausführlicher Katalog mit allen Werken und genauen Beschreibungen – natürlich ohne Preise, denn alles ist unverkäuflich.

Alle Kunstwerke sind frei zugänglich und in keiner Weise geschützt. Gibt es Beschädigungen oder gar Versuche, sie zu entwenden?

Nein, seit Indienststellung der MS Europa 2 ist absolut nichts passiert! Sogar das Werk von der dänischen Künstlerin Tenka Gammelgaard, das mit feinstem Blattgold überzogen ist und frei im Gang hängt, ist absolut unversehrt. Nun manchmal werde ich nervös: Wenn die Kinder im Gang von Deck 4 durch die Skulptur von Jeppe Hein hindurchlaufen.

Was passiert bei rauer See? Schwanken dann die Bilder und verrutschen die Skulpturen?

Nein, alles ist hervorragend gesichert. Vor allem die Objekte im Poolbereich, die wie zufällig dort abgestellt platziert sind, sind fest installiert. Deshalb ist es zum Beispiel auch nicht möglich, die Ausstellung zu wechseln oder neu zu verteilen.

Welches ist das bekannteste Werk hier an Bord?

Das sind wohl die beiden Bilder „Haut“ von Gerhard Richter. Falls Sie nach den Preisen fragen – darüber sprechen wir hier an Bord nicht.

Sind die Objekte nach einem bestimmten System auf dem Schiff verteilt?

Jedes Kunstwerk hat mit Bedacht seinen Platz bekommen. In der Bibliothek ist der Wortkünstler Rupprecht Matthies mit seinen Edelstahlinstallationen zu bewundern, „Loop“ von Eva Hild, eine Skulptur, die mit der Gleichzeitigkeit von Innen und Außen arbeitet, steht auf Deck 4 an den Fenstern. Ganz besonders deutlich wird das Konzept an der Platzierung  der Arbeiten von Lei Xue, die im Eingangsbereich des asiatischen Restaurants Elements stehen. Der Künstler spielt mit der Verschmelzung von traditioneller Kunst mit unserem modernen Leben: Er bemalt Ming-Vasen im alten Stil mit Bugs-Bunny- und Computer-Symbolen und zeigt zerbeulte Softgetränkedosen aus Porzellan.

Manche Werke sind nicht zugänglich, weil sie in den Suiten hängen. Was erwartet denn zum Beispiel die Gäste in den beiden Grand Penthouse und den zwei Owner Suiten?

Wer sich dort einbucht, kommt in einen besonderen Kunstgenuss. Dort finden sich Werke des britischen Popart Künstler Damien Hirst aus seinem Portfolio „The Souls I, II, III, IV“, das aus vier verschiedenen Serien von Schmetterlingsbilder in 80 Farbvariationen besteht. Auch David Hockney, Donald Sultan und Bram van Velde geben diesen Suiten mit ihren Werken eine ganz besondere Note.

Das Interview führte Jutta Lemcke

 

Jutta Lemcke

Liebt ihre Heimatstadt Hannover - ist aber genauso gerne rund um den Globus auf Reisen. Ob die sieben Weltmeere, asiatische Mega-Metropolen oder die endlosen Wüsten Afrikas - die Journalistin und Buchautorin fühlt sich ganz zuhause, wenn sie in der Ferne unterwegs ist.