Norwegian Getaway – Die hübsche Schwester aus Miami

Norwegian Getaway das größte Schiff

Seit Februar 2014 ist die Norwegian Getaway – hier in Rotterdam – das größte Schiff, das ganzjährig ab Miami in See sticht und den Zauber von The Magic City mit in die Karibik nimmt. © C.R.Gülde

Sie könnten beinahe Zwillinge sein, so dicht liegen ihre Indienststellungen beieinander. Und so groß sind die Gemeinsamkeiten. Und dennoch: Die Norwegian Breakaway und ihre schöne Schwester Norwegian Getaway verzaubern ihre Gäste jeweils auf eigene Weise. Denn während die Breakaway ganz dem Thema New York gewidmet ist, begeistert die Getaway mit dem karibischen Flair ihres künftigen Heimathafens Miami.

Hier ist die Norwegian Getaway aktuell

Am 2. November 2013, gerade mal acht Monate nach der Breakaway, wurde die Getaway auf der Meyer-Werft ausgedockt. Damit wurde sie nach nur 15-monatiger Bauzeit rund ein Vierteljahr früher fertig als geplant. Und auch ihre erste große Bewährungsprobe bestand die Getaway früher als erwartet, denn einen Monat nach dem Ausdocken – als die Getaway zur Endausrüstung in Bremerhaven lag – näherte sich mit Orkantief Xaver einer der schwersten Nordsee-Stürme der vergangenen Jahre. Da aufgrund der Wetterprognosen zu befürchten war, dass die Pier in Bremerhaven überschwemmt wird und die Getaway wegen des hohen Wasserstandes zu wenig seitlichen Halt findet und auch die Fender ihre Wirkung verlieren könnten, beschlossen Captain Rune Myre und sein Führungsteam, den Sturm auf See abzuwettern. Den wilden Ritt auf den Nordseewellen überstand das 324 Meter lange und 40 Meter breite Schiff dann ohne größere Schäden – eine wahre Feuertaufe, lange bevor die Cheerleader des American-Football-Teams Miami Dolphins die Getaway am 7. Februar 2014 offiziell tauften.

Miami-Feeling

Dass die Cheerleader der Miami Dolphins als Taufpatinnen der Getaway ausgewählt wurden, ist natürlich kein Zufall – sie sollen die enge Verbindung des Freestyle-Cruisers zur Metropole im Süden Floridas mit ihren berühmten Stränden, dem legendären Nightlife, der ausgefallenen Kunst- und Kultur-Szene und natürlich den bonbonfarbenen Fassaden des weltberühmten Art-Déco-Viertels betonen. Die gleiche Aufgabe hat die spektakuläre Rumpfbemalung, für die Miami-Künstler David „LEBO“ Le Batard eine Meerjungfrau nebst Pelikanen und Palmen auswählte.

© C.R.Gülde

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Seit Februar 2014 ist die Norwegian Getaway das größte Schiff, das ganzjährig ab Miami in See sticht und den Zauber von The Magic City mit in die Karibik nimmt. Beispielsweise mit dem neuen Illusionarium, das bei Norwegian Cruise Line Premiere feiert und das von der Norwegian Epic und Norwegian Breakaway bekannte Varieté Spiegel Tent ersetzt. Statt Akrobatik und Comedy wie bei der Dinner-Show im Spiegel Tent unterhalten die hervorragenden Künstler des Illusionariums mit einer magischen Show, die von der Science-Fiction-Literatur Jules Vernes, der Kunstfertigkeit legendärer Zauberkünstler wie Houdini und den übernatürlichen Helden aktueller Blockbuster inspiriert wurde. Besonders spektakulär: eine an der Decke hängende Videoleinwand mit einem Durchmesser von gut neun Metern – für die perfekte Illusion mythischer Orte.

Illusionarium. © NCL

Illusionarium. © NCL

Miami-Feeling kommt auch im Tropicana Room auf. Das Hauptrestaurant auf Deck 7 spiegelt den Glanz und Glamour des Nachtlebens, wie es das Miami Beach der 1940er- und 1950er-Jahre sah. Denn alles, was es dazu braucht, ist in Hülle und Fülle vorhanden: Echtholzvertäfelungen, Stoffe in Silbertönen und dunklem Lila, glitzernde Säulen, jede Menge nostalgischer Fotos und eine große Tanzfläche, die sich die Passagiere und die Tänzer der Bord-Show Burn the Floor teilen – zu unterschiedlichen Zeiten natürlich. Das alles ist so beeindruckend, dass die zwar ordentliche, aber keineswegs herausragende Qualität der lateinamerikanisch beeinflussten Küche nur eine Nebenrolle spielt. Und auch die mächtige, zwei Decks hohe Glasfront, die das Tropicana zum Heck hin begrenzt, verdient eigentlich mehr Aufmerksamkeit, als ihr die üppigen Vorhänge zugestehen.

Promenaden-Mischung: The Waterfront

Doch wenn sich auch der Tropicana Room ein wenig vom Meer abschottet, so ist doch die Getaway ebenso wie schon die Breakaway insgesamt ein erfreulich „meeroffenes“ Schiff. Dem in letzter Zeit oft zu beobachtenden Trend, dass sich Kreuzfahrtschiffe nach innen richten und die befahrene See zur Randerscheinung wird, entzieht sich die Getaway völlig. Das liegt vor allem an The Waterfront, ein klassisches, breites Promenadendeck, das sehr gut zum Freestyle Cruising Konzept der Norwegian Cruise Line passt – und vor allem Sinn macht auf einem Schiff, das ganzjährig in der Karibik fährt. Durch die Promenade The Waterfront sind acht Dining-Optionen mit Lounges im Freien verbunden, und wer Norwegian Cruise Line schätzt, der wird sich freuen, hier alte Bekannte wie das Moderno Churrascaria, Cagneyʼs Steakhouse, La Cucina oder das Seafood-Restaurant Ocean Blue sowie die Gelato Bar zu finden.

© C.R.Gülde

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Richtig rund wird das Waterfront-Konzept durch die Verbindung mit dem 678 Ocean Place, dem Herzstück des Schiffes. Hier schaffen die drei fließend ineinander übergehenden Decks 6, 7 und 8 mit Geschäften, Restaurants, Bars und Unterhaltungsmöglichkeiten ein weitläufiges Areal, das sowohl Tages- als auch Abend-Entertainment umfasst.

678 OceanPlace.  © C.R.Gülde

678 OceanPlace.
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Broadway – verlängert bis in die Karibik

Zu den Entertainment-Highlights an Bord gehören auch das weltweit gefeierte Musical Legally Blonde – eine Adaption des gleichnamigen Hollywood-Films mit Reese Witherspoon aus dem Jahr 2001 – und die Tanz-Show Burn the Floor, die sich das 787 Sitze fassende Getaway Theater teilen. Legally Blonde feierte 2007 eine erfolgreiche Premiere am Broadway und begeisterte wenig später – mit drei Laurence Olivier Awards ausgezeichnet – auch das Londoner West-End-Publikum mit der Geschichte von Elle Woods, die ihrem Ex-Freund auf die Harvard Law School folgt, um ihn zurückzugewinnen.

Ebenfalls als Broadway-Ableger ist die Tanz-Show Burn the Floor mit der Getaway unterwegs und fasziniert nicht nur im Theater, sondern auch mit Auftritten im Hauptrestaurant The Tropicana Room durch einen vielfältigen und neuartig interpretierten Stil-Mix aus allen Bereichen des Gesellschaftstanzes – von Swing bis Walzer, von J-Lo bis Creedence Clearwater.

Broadway-tauglich ist auch die Piano-Performance Howl at the Moon, die alle, die wie ein Norwegian cruisen – so der Reederei-Slogan – bereits kennen und schätzen gelernt haben dürften, gibt es das Programm doch auch auf der Epic und der Breakaway. Im Mittelpunkt der vierstündigen Show – in der die Gäste durchaus auch einmal als Entertainer gefragt sind, um die beiden Pianisten zu unterstützen – stehen die Chartbreaker der vergangenen 50 Jahre.

Und wer die Wunderkerzen auf der Farewell-Gala des ZDF-Traumschiffes bereits zauberhaft findet, der wird erst Recht von der Feuerwerkshow begeistert sein, die fester Bestandteil jeder Kreuzfahrt der Norwegian Getaway ist und den Gästen im Open-Air-Nachtclub Spice H2O am Heck des Schiffes mit einem faszinierenden Farbzauber am Nachthimmel und dazu passend abgestimmter Musik das nahe Ende ihrer Traumreise versüßt.

Ein Brett, das die Welt bedeutet

Das Bord-Entertainment und die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten, versprechen also erstklassige Unterhaltung – aber für den aberwitzigsten Thrill an Bord reicht der Getaway schlicht ein einziges Brett: The Plank! Man kennt das ja aus Piratenfilmen: Beim Captain in Ungnade gefallene Mitreisende durften das Schiff, motiviert durch diverse Säbelpiekse, über ein schmales Brett verlassen – großes Entertainment für die Haie. Bei der Getaway schaut das im 21. Jahrhundert etwas anders aus. Meine Motivation, The Plank als ultimativen Bestandteil des famosen Hochseilgartens mit insgesamt 40 Kletterelementen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen zu entern, waren keine Säbelpiekse, sondern stichelnde Bemerkungen meiner – schwindelfreien! – Frau, die ich unvorsichtigerweise gebeten hatte, mich auf der Premierenfahrt der Getaway zu begleiten. So musste ich mit ansehen, wie sie bei starkem Wind und einem Seegang, der auch auf einem Riesenschiff wie der Getaway noch deutlich wahrnehmbar war, mich fröhlich neckend die Planke hinausschritt, die knapp zweieinhalb Meter über den Schiffsrand ragt. Und gut 50 Meter über dem Meer einen Blick aus Möwenperspektive auf die Getaway ermöglicht – oder auf einen entsetzt dreinschauenden Ehemann, je nach Blickwinkel. Ich folgte ihr trotzdem, schließlich waren wir perfekt gesichert, aber in jenen Sekunden zwischen Himmel und tosender Nordsee wurde The Plank für mich wirklich zum Brett, das die Welt bedeutet.

Etwas weniger aufregend fand ich die anschließende Runde auf der 9-Loch-Minigolfanlage, die zusammen mit einer Kletterwand, einem Bungeetrampolin, dem Spider Web – das ist ein sieben Meter hoher Kletterkäfig mit Spiralrutsche – und dem Aqua Park das Angebot des Sportkomplexes abrundet. Der Aqua Park beeindruckt dabei mit fünf über mehrere Decks führenden Wasserrutschen, darunter zwei – bereits von der Breakaway bekannte – Free-Fall-Rutschen, bei denen man buchstäblich zu Beginn den Boden unter den Füßen verliert. Der Aqua Park besteht zudem aus zwei Swimmingpools, vier Whirlpools und einem teilweise überdachten Restaurant.

Knallharte Recherche: Shiptrips-Autor bei der Arbeit. © C.R.Gülde

Knallharte Recherche: Shiptrips-Autor bei der Arbeit. © C.R.Gülde

Breites Angebot für die Kids

Neben den vielfältigen Sportmöglichkeiten auf der Getaway sollen auch sogenannte Nickelodeon-Erlebnisse für Begeisterung bei den Kids sorgen: An Bord trifft man Nickelodeon-Charaktere wie SpongeBob, Patrick, Dora und Diego und lässt sich durch die in den USA beliebten Nickelodeon-Events, -Shows und -Aktivitäten unterhalten. Beispielsweise durch die Nickeloden-Klassiker Pajama Jam, bei der Kinder ein aktionsgeladenes Frühstück mit unterschiedlichen Nickelodeon-Charakteren erwartet, Doras Tanzparty, auf der kleine Kreuzfahrer mit Dora the Explorer und dem Team Nick ihre Lieblingslieder singen und dazu tanzen, Meet & Greets mit den Nickelodeon-Charakteren, Geschichtenerzählen mit Dora sowie Basteln und Werken.

Splash_Academy  © NCL

Splash_Academy
© NCL

Die bei Kindern so beliebten Piraten tauchen wieder im Nickelodeon Kids‘ Aqua Park auf – diesmal ohne Planke, aber mit kindgerechtem Pool, Rutsche und Wasserspielen. Die Nickelodeon-Charaktere sind zudem Teil des Kinderprogramms der Splash Academy, in der auf zwei Decks altersgerechte Unterhaltung für Kinder von 3 bis 5, 6 bis 9 und 10 bis 12 Jahren geboten wird. Jugendliche von 13 bis 17 Jahren kommen ebenfalls nicht zu kurz, sofern sie sich im trendigen Jugendclub Entourage auf Deck 16 gut aufgehoben fühlen.

Ab in die Koje!

Auch wenn man den Eindruck gewinnen kann, dass die Getaway Entertainment rund um die Uhr bietet – O’Sheehan’s Bar & Grill in der Schiffsmitte ist tatsächlich 24 Stunden geöffnet –, so zieht es einen doch irgendwann in die Koje. Hier bietet die Getaway eine breite Auswahl – vom luxuriösen Suiten-Komplex The Haven by Norwegian über die innovativen Studios für Alleinreisende, einer Vielzahl an Innen-, Außen- und Balkonkabinen sowie Mini Suiten bis zu den Spa Balkonkabinen, Spa Mini Suiten und Spa Suiten.

Jede der 962 Balkonkabinen verfügt über ein Queensize-Bett, das bei Bedarf geteilt werden kann, und über ein Sofabett mit zusätzlichem Stauraum. Natürlich ist der standesgemäße 26-Zoll-Flachbild-Fernseher so angebracht, dass er sowohl vom Bett als auch vom Sofa aus bequem eingesehen werden kann. Die Badausstattung der Balkonkabinen ist solide und schnörkellos und die Dusche geräumig. Die Anordnung des Spiegels zwingt aber Reisende in Wikingergröße dazu, leicht in den Knien zu federn, sofern sie ihrem Spiegelbild aus kurzer Distanz in die Augen schauen wollen – vielleicht ist das mit dem Slogan „Cruise like a Norwegian“ gemeint?

Die Mini Suiten verfügen als geräumigere Version der Balkonkabinen auch über ein größeres Bad mit Doppelwaschbecken. Und die Familien-Mini-Suiten befinden sich praktischerweise in unmittelbarer Nähe zu der Splash Academy.

© C.R.Gülde

© C.R.Gülde

Bei den Innenkabinen gibt es die von Familien so geschätzten Verbindungstüren mehrheitlich in den 59 Studios, die dank eines von außen nicht einsehbaren Fensters zum Flur ein gutes Raumgefühl vermitteln. Zudem haben alle Studios über eine Schlüsselkarte Zugang zur exklusiven zweistöckigen Studio Lounge mit Bar.

Eine Art Schiff-im-Schiff Variante ist der Suiten-Komplex The Haven by Norwegian, der im vorderen Teil des Schiffes auf Deck 15 und 16 insgesamt 42 Suiten und „Villen“ umfasst. Zum The Haven-Reich gehören zudem ein privates Restaurant, eine Cocktail-Bar und eine Concierge-Lounge sowie ein zweigeschossiger Courtyard-Bereich mit einem großzügigen Pool, einem privaten Sonnendeck, zwei Whirlpools, zwei Massage-Räumen, Umkleidekabinen und einer Sauna. Das Glück perfekt macht aber erst der zertifizierte Rund-um-die-Uhr-Butler-Service.

Die 20 „Villen“ des The Haven-Komplexes schließlich sind mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern optimale Kabinenlösung für Familien – sofern sie wohlhabend und mit wohlerzogenen Kindern gesegnet sind.

Christian Richard Gülde

Magister der Philosophie, Sprachwissenschaft und Literatur. Berufserfahrung als wissenschaftlicher Autor, Redakteur und Kommunikationsberater. Erfolgreich tätig für IT- und Handels-Unternehmen, NPOs, Buchverlage, Magazine, Tageszeitungen und Online-Medien. Seit fast 20 Jahren dem Rätsel Kommunikation auf der Spur. Weitere Schwerpunkte: Maritime Wirtschaft, Health, Wirtschaft & IT.