Nur Wind und Wellen: Mit der Star Flyer rund um Kuba

227 (Medium)

© Sigrid Krings

Mit einem majestätischen Großsegler übers Meer gleiten – das ist Kreuzfahrt wie vor 150 Jahren. Eines der schönsten Segelreviere ist die Karibik. Kleine Inseln, türkis schimmerndes Meer und glutrote Sonnenuntergänge machen hier das Segelabenteuer zur wahren Traumreise. Kreuzfahrten-Expertin Sigrid Krings war an Bord und fühlte sich wie im siebten Himmel.   

Er sieht mich an. Aufmerksam, offen und scheinbar konzentriert blickt er aus seinen Stielaugen zu mir hoch. So, als würde er sich überlegen, wer oder was ich denn sein könnte. Dann schwebt er sachte näher. Ich werde nervös: Soll ich meine Füße doch sicherheitshalber aus dem Wasser nehmen? „Aber nein“, spreche ich mir in Gedanken Mut zu, „der ist freundlich, er kann nur freundlich sein!“ Auch wenn unterhalb seines langen Schwanzes ein giftiger Dorn sitzt, mit dem er sich bei einem Angriff verteidigen kann. Schließlich ist die ganze Szenerie um mich herum so unendlich friedlich und schön, dass ich es kaum fassen kann.

337 (Medium)

© Starclippers

Ich stehe zwischen der unbewohnten kubanischen Insel Cayo Rico und einem benachbarten winzigen Eiland, dessen üppige Vegetation ich in der Ferne nur schemenhaft erkennen kann. Noch viel weiter entfernt liegt die Star Flyer, einer der insgesamt drei luxuriösen Großsegler der monegassischen Reederei Star Clippers, vor Anker. Mit ihr bin ich an diesen zauberhaften Ort gekommen. Meine Füße versinken im weichen Sand aus zerriebenen Korallen, werden vom lauwarmen Wasser sanft umschmeichelt. Vor mir erstreckt sich das türkisfarben schillernde Meer, am Horizont kann ich braune Pelikane erkennen, die auf Beutesuche weite Kreise durch die klare Luft ziehen. Es ist ganz still, kein Ton stört die Idylle. Kein Motorenlärm, kein Stimmengewirr – noch nicht einmal ein sanfter Windhauch ist zu spüren. Ich bin völlig allein.

Meisterleistung der Crew

Da wird die Aufmerksamkeit des neugierigen Stachelrochens von mir abgelenkt. Zwei sandfarbene Fische schwimmen heran und umkreisen ihn im übermütigen Tanz. Die drei driften ab und mir wird bewusst, dass es höchste Zeit ist, endlich den Rückweg anzutreten. Muss ich dieses wunderbare Paradies tatsächlich schon wieder verlassen? Wie gerne würde ich länger bleiben! Doch das sieht der Fahrplan nicht vor. Die Star Flyer wartet trotz der familiären, herzlichen Atmosphäre an Bord weder auf mich noch auf andere Passagiere. Wenn ich mich verspäte, muss ich selbst zusehen, wie ich wieder aufs Schiff komme – und der letzte Tender zurück legt schon bald ab. Etwa 30 Minuten werde ich brauchen, bis ich die Anlegestelle erreiche, an der ich einige Stunden zuvor gemeinsam mit den anderen Fahrgästen der Star Flyer angekommen bin. Also stapfe ich los und erreiche rechtzeitig die einzige überdachte Stelle von Cayo Rico.

Dort, unter einem mit getrockneten Palmenblättern gedeckten Rondell, sitzen noch einige meiner Reisegenossen im angenehm kühlen Schatten. Ich geselle mich zu ihnen und erzähle von meinen Erlebnissen. Das üppige Mittagessen, das wir an diesem Tag nicht wie üblich im Speisesaal an Bord des Segelschiffes, sondern in Form eines leckeren Barbecues an Land eingenommen haben, ist komplett abgeräumt. Hotel-Manager Carlos Ferreira, ein quirliger, energiegeladener Mann aus Portugal, hat es tatsächlich geschafft: Er hat sämtliche für die Versorgung von rund 150 hungrigen Gästen nötigen Utensilien wieder zurück aufs einige Kilometer entfernt liegende Schiff gebracht. Eine echte Meisterleistung, wie so vieles auf dieser Reise.

Denn Star Clippers ist in diesem Frühjahr das erste Mal rund um Kuba unterwegs. Vom hübschen kubanischen Hafenstädtchen Cienfuegos aus geht es durch kubanische Gewässer zu der unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes stehenden Stadt Trinidad und zu weiteren spannenden Zielen auf der Hauptinsel sowie den dazugehörigen Archipelen. Dazwischen muss aus organisatorischen Gründen ein Zwischenstopp auf den britischen Inseln Little Cayman und Grand Cayman gemacht werden.

Spaß an Improvisationen

Vieles läuft auf Kuba, das seit 1965 kommunistisch regiert wird, nicht so wie in anderen karibischen Zielgebieten wie Jamaika, Haiti oder den Cayman-Inseln. Die Schifffahrtsbehörden etwa sind zwar freundlich, nehmen es aber mit der Kontrolle des Großseglers hin und wieder so genau, dass die Gäste mehrere Stunden lang auf den Landgang warten müssen. Oder sie müssen lange Transfers durch unruhige See auf sich nehmen, weil die offiziellen Seekarten nicht alle auf dem neusten Stand sind. Etliche Ziele können Kapitän Jürgen Müller-Cyran und seine Crew deswegen – anders als eigentlich geplant – mit dem Viermaster nicht direkt anfahren. So auch Cayo Rico: Fast sechs Meter Tiefgang des Schiffes sind viel zu viel für die flachen Gewässer in Ufernähe. Zusätzlich forderten die Behörden hier den Umstieg auf hoher See vom schiffseigenen Tender in ein kubanisches Motorboot. Da der überwiegende Teil meiner Mitreisenden zwar schon im fortgeschrittenen Alter, aber noch sehr gut zu Fuß ist, stört das jedoch kaum jemanden auf dieser Reise. Im Gegenteil: Die meisten schätzen das zusätzliche Abenteuer ebenso sehr wie sie das Segeln auf der Star Flyer lieben: Sie sind begeistert und improvisieren gerne mit.

Schon wieder habe ich, tief ins Gespräch versunken, die Zeit vergessen. „Komm, lass uns jetzt schnell nach vorne an den Steg gehen und nach dem letzten Boot Ausschau halten“, sagt meine Nachbarin auf Englisch zu mir. Ach stimmt, wir müssen ja weg. Schnell stopfen wir unsere Handtücher in die Badetaschen und staken barfuß auf Zehenspitzen durch den brennend heißen Sand in Richtung Holzsteg. Wehmütig blicke ich zurück auf die kleine Insel und sauge noch einmal den herrlichen Anblick in mich auf. Die Sonne steht bereits tief, die Farben wirken dadurch besonders intensiv.

183 (Medium)

© Sigrid Krings

Freunde aus aller Welt

Aber wie sagt es der Volksmund? Man solle aufhören, wenn es am schönsten ist. Morgen schon wird meine einwöchige Kreuzfahrt im kargen Hafen von Cienfuegos enden. Ich werde bereits in den frühen Morgenstunden meine kuschelige Koje im Bauch des Schiffes räumen, noch einmal die vielen Köstlichkeiten des Frühstücksbuffets genießen, mich von den auf der Reise hinzugewonnenen Freunden aus aller Welt herzlich verabschieden und in eines der am Hafen bereitstehenden gelben Taxis steigen. Dass damit ein weiteres, echt kubanisches Abenteuer über holprige Straßen in die Hauptstadt Havanna beginnt, kann ich nach der aufregenden Hinfahrt zu Beginn der Reise bereits jetzt ahnen.

StarFlyer oder Star Clipper, sind gleich Luftaufnahme (Medium)

© Starclippers

 

Gut zu wissen:

Route: Cienfuegos (Kuba) – Archipelago de los Canarreos (Kuba) – Trinidad (Playa Ancón, Kuba) – Cayman Brac (Großbritannien) – Georgetown, Grand Cayman (Großbritannien) – Cayo Largo (Kuba) – Cayo Rico (Kuba) – Cienfuegos (Kuba)

Infos zum Schiff: Sehr freundliche, familiäre Atmosphäre an Bord, sportlich-schicke Kleidung ist für das Bordleben geeigneter als elegante. Besondere Pluspunkte: zwei Außenpools, die (wenn es der Seegang erlaubt) mit Meerwasser befüllt werden; viele Wassersportaktivitäten möglich (Wasserski, Schnorcheln, u. U. auch Tauchen, Schwimmen im offenen Meer); gesichertes Klettern in den Bugspriet und ins Krähennest möglich

Unbedingt machen: ungeführte (!) Strandwanderung am Strand von Cayo Rico

Unbedingt vermeiden: Besuch in der Schildkrötenfarm von Georgetown

 

Star Flyer – Daten & Fakten

Reederei: Star Clippers

Flagge: Malta

Baujahr: 1992

Bordsprache: Deutsch, Englisch

Bordwährung: Euro

Tonnage: 2.298 BRT

Länge/Breite/Tiefgang: 115,50m / 15 m / 5,60 m

Gesamtsegelfläche: 3.365 qm

Antrieb: 1.030 KW Diesel

Geschwindigkeit: 20 Knoten

Decks: 4

Besatzung: 72

Passagiere / Kabinen: 170 (bei Doppelbelegung), 85

 

Angebot an Kubareisen verdreifacht

Star Clippers ist weltweit eine der wenigen Reedereien, die Kreuzfahrten entlang der Küste Kubas anbieten. Aufgrund der großen Nachfrage hat das Unternehmen das Angebot in der Wintersaison 2014/2015 stark ausgeweitet. Die Star Flyer wird Kuba insgesamt 18 Mal ansteuern. Start und Zielhafen der fünf bis 14 Nächte dauernden Reisen ist Cienfuegos im Süden der Insel.

Sigrid Krings

Ob sachlicher Bericht, knackige Nachricht, lebendige Reportage oder einfühlsames Portrait – Sigrid Krings setzt Themen so um, dass sie beim Leser auch wirklich ankommen. Dabei hilft ihr ihre fundierte Ausbildung als Juristin und Journalistin. Als Freelancerin und in Redaktionen hat sie jahrelang wertvolle Erfahrungen gesammelt.