Seekrankheit: Diese Medikamente und Hausmittel helfen

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Wenn die See rau ist, droht empfindlichen Kreuzfahrern ein lästiges Übel: Sie werden seekrank. Das ist zwar nicht gefährlich, aber äußerst unangenehm. Die Schaukelei stört das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und kann zu Schwindel, Brechreiz und Unwohlsein führen. Auch wer regelmäßig zur See fährt, kann betroffen sein. Sogar Columbus und Admiral Nelson sollen zeitweilig unter Seekrankheit gelitten haben. Doch es gibt Medikamente und Hausmittel, die den Schwindel vertreiben können.

Bloß keine Panik, rät Dr. Ellen Legeland, Internistin aus Wiesbaden, die regelmäßig als Schiffsärztin auf dem Dreimastsegler Sea Cloud II mitreist. Man sollte sich nicht zu sehr mit der Seekrankheit beschäftigen, sich ablenken, an die frische Luft gehen und den Horizont im Auge behalten, empfiehlt die Ärztin. Und Alkohol, Kaffee und Essen sollten auf jeden Fall reduziert werden. Von prophylaktischer Medikamenteinnahme hält Dr. Legeland wenig. Vor allem die in Deutschland verschreibungspflichtigen, aber in einigen Ländern frei erhältlichen Pflaster, die hinters Ohr geklebt werden und den Wirkstoff Scopolamin enthalten, sind mit Vorsicht zu verwenden. Sie können erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen. Wenn sich erste Anzeichen einer Seekrankheit wie Unwohlsein, Schwitzen, Übelkeit und Schwindel einstellen, sollte man jedoch schnell reagieren, meint die Ärztin. Es empfiehlt sich, eine der häufig an Bord erhältlichen Tabletten gegen Reiseübelkeit einzunehmen, die meist den Wirkstoff Dimenhydrinat aus der Klasse der Antihistaminika enthalten. Die einen fühlen sich an Deck an der frische Luft am wohlsten, andere legen sich lieber hin und verhalten sich ruhig.

Viele Kreuzfahrer schwören auf ihr eigenes Hausmittel. Mancher setzt auf Akupunktur, der andere auf Akupressur mit Hilfe der sogenannten Seabands, Stoff-Armbändern für das Handgelenk mit eingewebtem Akupressur-Knopf. Auch homöopathische Mittel, erhältlich in der Apotheke, gelten manchen als Mittel der Wahl. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, vor der Reise den Hausarzt zu konsultieren.

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Wer zur Seekrankheit neigt, sollte sich bei der Buchung einer Reise nach einer geeigneten Route und Reisezeit erkundigen. Viele der großen Kreuzfahrtschiffe haben heutzutage Stabilisatoren, die starken Seegang ausgleichen können. Wichtig zu wissen: Kabinen, die unten und in der Mitte des Schiffes liegen, sind vom Seegang am wenigsten betroffen.

Die gute Nachricht: Seekrankheit ist so schnell vorbei, wie sie beginnt. Sobald sich die See beruhigt hat oder wieder fester Boden unter den Füßen ist, lassen die Beschwerden schnell nach.

Ingwer © Thomas Wanhoff

Ingwer © Thomas Wanhoff

Glättet die Wogen: Ingwer

Erfahrene, aber nicht gegen Seekrankheit gefeite Matrosen packen seit Jahrhunderten die Übelkeit mit der Wurzel: Sie kauen in Streifen geschnittene Ingwerknollen. Die moderne Medizin kann allerdings die Schwindel und Übelkeit lindernde Wirkung der Ingwerwurzel bislang nicht eindeutig belegen. Doch es gibt bereits Untersuchungen, die dafür sprechen, dass Ingwer die Wogen glättet. Beispielsweise beförderte rund die Hälfte von 80 dänischen Seekadetten, die an einer Doppelblindstudie teilnahmen, den Beweis für einen Unterschied zwischen Ingwer und Placebo über die Reling. Die antiemetische, also die Übelkeit verringernde Wirkung des Ingwers scheint sich direkt im Magen-Darm-Trakt zu entfalten. Zwar wird heute auf den modernen, meist mit Stabilisatoren ausgerüsteten Schiffen kaum noch jemand seekrank, aber es beruhigt, dass anscheinend mit Ingwer ein Kraut gegen die Übelkeit existiert. Und wer nicht kauen mag: Ingwer bekommt man auch in Tablettenform. Zudem können ebenso Ingwer-Tee oder kandierter Ingwer helfen, meint Dr. Legeland.

Jutta Lemcke

Liebt ihre Heimatstadt Hannover - ist aber genauso gerne rund um den Globus auf Reisen. Ob die sieben Weltmeere, asiatische Mega-Metropolen oder die endlosen Wüsten Afrikas - die Journalistin und Buchautorin fühlt sich ganz zuhause, wenn sie in der Ferne unterwegs ist.