Hunderte fette Lobster und ein dünner Deutscher – mit der MS Veendam von Quebec nach Boston

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© C.R.Gülde

Kanadas Osten: Sankt-Lorenz-Strom, Prince Edward Island oder Nova Scotia – das klingt nach neuer Welt und viel wilder Natur. Aber es gibt mit der 500.000 Einwohner zählenden Stadt Quebec auch die europäischste Metropole Nordamerikas zu entdecken, deren gut erhaltene Altstadt mit Wurzeln in der Mitte des 17. Jahrhunderts zum UNESCO-Welterbe zählt. Hier gehen wir an Bord der gut 220 Meter langen MS Veendam und beziehen einen „Lanai Stateroom“, der als Highlight eine auf Kreuzfahrtschiffen selten anzutreffende Besonderheit aufweist: einen direkten Zugang zum Promenadendeck.

»Hier ist die MS Veendam aktuell

Die berühmtesten Lobstergründe der Welt

„Auf unserer siebentägigen Tour von Quebec nach Boston landen gut und gerne 1.000 Pfund Lobster auf den Tellern unserer rund 1.350 Gäste“, erklärt Simon de Boer, der baumlange Hotelmanager der MS Veendam, der mit seinem stark niederländisch gefärbten Englisch deutlich daran erinnert, dass man auf einem Schiff der Holland America Line unterwegs ist. „Unser Lobster ist hervorragend“, fährt Simon fort, „schließlich führt unsere Route entlang der nordamerikanischen Atlantikküste durch einige der berühmtesten Lobstergründe der Welt.“

Das Gold der Meere ist somit fester Bestandteil der ausgezeichneten Küche an Bord der MS Veendam – und der Verbandskasten in den Restaurants stets in Reichweite. Denn die scharfen Zangen und spitzen Gäbelchen, mit denen man den Schalentieren zu Leibe rückt, erfordern einige Fingerfertigkeit – sofern man nicht auf die Hilfe der Servicekräfte zurückgreift, die wahre Lobster-Cracks sind. Das ist aber auch schon das einzige Risiko für das eigene Wohlergehen, dem man an Bord dieses klassischen, 1996 gebauten und 2009 umfassend renovierten Kreuzfahrtschiffes begegnet. Alles andere ist nahezu perfekt auf das maximale Wohlfühlerlebnis ausgerichtet.

Entspannte Crew

Was besonders positiv auffällt: die komplette Crew ist ausgesprochen entspannt und selbstbewusst. Netro, unser Tischkellner, ist nicht nur die Aufmerksamkeit in Person, sondern auch ein ausgezeichneter Unterhalter, der genug Zeit findet, uns von seinem indonesischen Heimatdorf, renitenten Wasserbüffeln und nicht zuletzt von seinem spannendem Leben an Bord der MS Veendam zu erzählen. Wer reist, um die Welt kennenzulernen, weiß solche Gespräche auf Augenhöhe zu schätzen.

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Kein Wal-Erfolg

Auf unserer siebentägigen Reise gewinnen wir den Eindruck, dass die Holland America Line nicht ohne Grund vom amerikanischen „Etisphere Institute“ 2012 als erstes Unternehmen aus der Kreuzfahrtbranche auf die Liste der „ethischsten Unternehmen“ gesetzt wurde. Überzeugende Nachhaltigkeitskonzepte, gesellschaftliches Engagement, besondere Initiativen im Umweltschutz und Innovationskraft zeichnen die Holland America Line aus.
Dazu gehört beispielsweise das „Avoiding Whale Strikes“-Programm, das die Reederei zum Schutz der gigantischen Meeressäuger ins Leben gerufen hat und zu dem Schulungen für alle Deckoffiziere gehören. Auf unserer Fahrt den Sankt-Lorenz-Strom hinunter hat dieses Programm ganz besondere Relevanz. Denn hier tummelt sich neben vielen weiteren Wal-Arten auch der bis zu 33 Meter lange und bis zu 200 Tonnen schwere Blauwal – das größte bekannte Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat. Die Chancen, es zu sehen, sind weltweit gering, aber nur an wenigen Orten größer als im Mündungsgebiet des Sankt-Lorenz-Strom in den Nordatlantik.

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Wie einst Leo auf der Titanic

Wir verbringen also Stunden an Deck der MS Veendam, die im Gegensatz zu vielen neueren Kreuzfahrtschiffen zahlreiche Möglichkeiten bietet, ungehindert aufs Wasser zu blicken. Sogar das Vorschiff unterhalb der Brücke ist frei zugänglich, was für alle interessant sein dürfte, die sich einmal wie Leonardo di Caprio als König der Welt fühlen wollen.

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Hilby, the skinny german juggle boy

Doch trotz bester Aussicht sehen wir außer weißen Schaumkappen, die wohl, so Hotelmanager Simon, von schnell ziehenden Delfinen oder kleinen Zahnwalen stammten, leider keinen weiteren Verwandten von Moby Dick – dafür aber einen äußerst unterhaltsamen dünnen Deutschen: Hilby, the skinny german juggle boy. Der jonglierende Entertainer aus Berlin rockt mit seiner grandiosen Show, seinem saukomischen deutschen Akzent und seinem unvergleichlichen Humor an mehreren Abenden das Bordtheater. Die überwiegend amerikanischen und australischen Gäste der MS Veendam biegen sich vor Lachen. Und wir, die einzigen anderen Deutschen an Bord, sind plötzlich mitten auf dem wunderschönen Sankt-Lorenz-Strom ein wenig stolz auf unser Land.

Christian Richard Gülde

Magister der Philosophie, Sprachwissenschaft und Literatur. Berufserfahrung als wissenschaftlicher Autor, Redakteur und Kommunikationsberater. Erfolgreich tätig für IT- und Handels-Unternehmen, NPOs, Buchverlage, Magazine, Tageszeitungen und Online-Medien. Seit fast 20 Jahren dem Rätsel Kommunikation auf der Spur. Weitere Schwerpunkte: Maritime Wirtschaft, Health, Wirtschaft & IT.