Virgin Cruises auf Jungfernfahrt –
ab 2020 soll Miami der erste Basishafen des neuen Anbieters werden

Richard Branson und Virgin Cruises CEO Tom McAlpinauf der Pressekonferenz in Miami. © AP Photo/Alan Diaz

Richard Branson und Virgin Cruises CEO Tom McAlpin auf der Pressekonferenz in Miami. © AP Photo/Alan Diaz

Das Projekt „Virgin Cruises“ des britischen Selfmade-Milliardärs Richard Branson hat zwar immer noch keine scharfen Konturen, das hinderte den charismatischen Unternehmer jedoch nicht daran, am 23.6.2015  in Miami einen flotten Auftritt vor der Presse hinzulegen. Branson will mit drei neuen Schiffen, die in den Jahren 2020, 2021 und 2022 in Dienst gestellt werden sollen, nicht weniger als den Kreuzfahrtmarkt revolutionieren.

Branson, der seine ersten Millionen mit Schallplatten machte, ist gerne als Abenteurer unterwegs – so sammelte er auch intensive Erfahrungen auf den Weltmeeren: Bereits 1986 stellte er mit der „Virgin Atlantic Challenger II“ einen Rekord auf, indem er die schnellste Atlantiküberquerung per Schiff meisterte. Und auch im fortgeschrittenen Alter – Branson wird demnächst 65 Jahre alt – ist er flott auf dem Wasser unterwegs: 2012 war er der bislang Älteste, der den Ärmelkanal als Kitesurfer überquert hat.

Nun darf man gespannt sein, wie Branson – der sich wiederholt für einen konsequenten Klimaschutz stark machte – das Thema Kreuzfahrten interpretieren wird. Start-Termin für die maiden voyage des ersten Schiffes von Virgin Cruises soll 2020 und der Basishafen Miami sein, von wo aus Ziele in der Karibik angesteuert werden. 2021 und 2022 sollen zwei weitere Schiffe folgen – mit dem ehrgeizigen Ziel, das Kreuzfahrt-Erlebnis innerhalb von drei Jahren „neu zu definieren“, wie es Branson in Miami ausdrückte.

Kreuzfahrt-Erfahrung holte sich Branson unter anderem mit Tom McAlpin und Frank Weber ins Boot. Alpin, der CEO von Virgin Cruises, stand einst der Disney Cruise Line vor, und Weber, der ehemalige Vice President Product Development bei Norwegian Cruise Line, hat bei Virgin Cruises als Vice President Operations angeheuert.

Die drei neuen Kreuzfahrtschiffe für Virgin Cruises sollen bei Fincantieri in Italien auf Kiel gelegt werden – eine entsprechende Absichtserklärung zwischen Virgin Cruises und Fincantieri wurde bereits von den Beteiligten unterzeichnet, bis Ende 2015 soll es einen endgültigen Vertrag geben.

Einer der füheren Entwürfe © Virgin Cruises

Einer der früheren Entwürfe © Virgin Cruises

Angesichts des Gigantismus in jüngster Zeit, der auch vor dem deutschen Marktführer AIDA nicht halt macht, war Bransons Vorstellung der Eckdaten der neuen Schiffe fast eine Überraschung: Anders als frühere Meldungen erwarten ließen, sind die Neubauten mit einer geplanten Tonnage von 110.000 BRZ und Platz für 2.800 Passagiere sowie 1.150 Crew-Mitglieder nur von mittlerer Größe – vergleichbar vielleicht mit der Conquest-Klasse, die Fincantieri für die Reederei Carnival Cruise Lines baute, oder mit der von der Meyer Werft gebauten Solstice-Klasse von Celebrity Cruises, die freilich mit jeweils rund 120.000 BRZ pro Schiff etwas größer ist.

Konzeptionell darf man ohnehin etwas völlig anderes erwarten, denn eine Reise mit Virgin Cruises wird „keine gewöhnliche Kreuzfahrt sein, wie man sie bisher kennt“, so Branson. Trotzdem – oder gerade deshalb, je nach Standpunkt – will Branson die neuen Schiffe „nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden gestalten”. Da diese so vielfältig sein dürften, wie es in der ganzen Bandbreite der auf den sieben Weltmeeren fahrenden Schiffe zum Ausdruck kommt, wird es interessant sein zu sehen, wie Branson alle Wünsche mit nur drei Schiffen erfüllt.

Es klingt ein wenig nach Kreuzfahrt 2.0 – dazu passt auch, dass alle eingeladen sind, auf der noch reichlich jungfräulichen Website www.virgincruises.com ihre Vorstellung von einer gelungenen Kreuzfahrt zu beschreiben: „So tell us what you want to be able to see and do when you’re on a Virgin Cruises ship”. Nach der Mein-Schiff-Flotte kommen also nun die Mitmachschiffe.

Christian Richard Gülde

Magister der Philosophie, Sprachwissenschaft und Literatur. Berufserfahrung als wissenschaftlicher Autor, Redakteur und Kommunikationsberater. Erfolgreich tätig für IT- und Handels-Unternehmen, NPOs, Buchverlage, Magazine, Tageszeitungen und Online-Medien. Seit fast 20 Jahren dem Rätsel Kommunikation auf der Spur. Weitere Schwerpunkte: Maritime Wirtschaft, Health, Wirtschaft & IT.